- Solide Finanzierungsstruktur schaffen – sie bildet die wichtigste Grundlage, denn Versicherungen können finanzielle Risiken lediglich ergänzend absichern.
- Liquiditätspuffer und Rücklagen bilden – Rücklagen schützen vor unerwarteten Ausgaben, zum Beispiel durch Reparaturen oder Jobverlust.
- Staatliche Förderungen wie KfW-Programme nutzen – Förderungen senken die Finanzierungslast spürbar.
- Die eigene Arbeitskraft absichern – so bleibt die Finanzierung auch dann sicher, wenn ein Partner während der Kreditlaufzeit ausfällt.
- Die Immobilie absichern – eine Wohngebäude- und Elementarschadenversicherung schützt vor Sachschäden, eine Haus- und Grundbesitzerhaftpflicht vor Schadensersatzforderungen anderer Personen.
- Anschlussfinanzierung frühzeitig planen – ein Forward-Darlehen oder Sondertilgungen senken das Risiko steigender Zinsen.
Die Basis: eine solide Finanzierungsstruktur
Die Finanzierungsstruktur ist der wichtigste Schutzfaktor und spielt die Hauptrolle, bevor zusätzliche Absicherungen als Ergänzung hinzukommen. Viele Risiken entstehen gar nicht erst, wenn die Finanzierung von Anfang an auf einem stabilen Fundament steht.
Ausreichend Eigenkapital einbringen
Als wichtigste Faustregeln gelten die folgenden Punkte:
- Mindestens die Kaufnebenkosten sollten aus Eigenmitteln gedeckt sein.
- Können zusätzlich 10 bis 15 Prozent des Kaufpreises beziehungsweise der Baukosten aus Eigenkapital eingebracht werden, sinken Darlehenssumme und Zinslast. Dadurch verbessern sich die Konditionen in der Regel.
- Hinweis: Bei einem Neubau fallen höhere Nebenkosten an als beim Kauf einer Bestandsimmobilie – das Eigenkapital sollte entsprechend höher eingeplant werden.
Ein hoher Eigenkapitalanteil bedeutet:
- Geringere monatliche Raten sowie bessere Zinskonditionen für das Darlehen
- Geringeres Risiko einer Überschuldung bei Wertverlust der Immobilie
- Mehr finanzieller Puffer für unerwartete Ausgaben
Die richtige Zinsbindung wählen
Die Zinsbindungsfrist ist eine oft unterschätzte Vorsorge. Eine lange Zinsbindung schützt vor steigenden Zinsen am Kapitalmarkt und schafft Planungssicherheit. In Zeiten niedriger Zinsen ist sie besonders wertvoll, doch auch in einem normalen Zinsumfeld sorgt Kalkulierbarkeit für Sicherheit. Im Falle einer Baufinanzierung sind Laufzeiten von 10, 15 oder 20 Jahren üblich.
Monatliche Raten realistisch bemessen
Von Experten wird empfohlen, dass die monatliche Kreditrate nicht mehr als 30 bis 40 Prozent des Nettohaushaltseinkommens betragen sollte. Auf diese Weise bleibt ein finanzieller Spielraum für Lebenshaltungskosten und Unvorhergesehenes vorhanden.
Tilgung nicht zu niedrig ansetzen
Ein anfänglicher Tilgungssatz von mindestens zwei Prozent der Kreditsumme sorgt dafür, dass Sie die Restschuld in einem überschaubaren Zeitraum abbauen. Eine zu niedrige Tilgung verlängert die Laufzeit erheblich und erhöht das Zinsänderungsrisiko bei der Anschlussfinanzierung.
Mehr zu den Grundlagen der Baufinanzierung lesen Sie in unserem Ratgeberartikel „Wann bekommt man einen Kredit für ein Haus?“
Neben der Finanzierungsstruktur ist eine ausreichende Liquiditätsreserve einer der effektivsten Schutzmechanismen.
Notfallreserve für die Kreditrate
Experten empfehlen mindestens drei bis sechs Monatsraten als liquide Reserve. Sie dient zur Überbrückung von kurzfristigen Engpässen – etwa bei einem Jobwechsel, einer Erkrankung oder unerwarteten Ausgaben.
Instandhaltungsrücklage aufbauen
Immobilien können unvorhergesehene Kosten verursachen. Vor allem bei in die Jahre gekommenen Immobilien kann Sanierungsbedarf bei Heizung, Dach oder Fenstern entstehen. Neben dem baulichen Verschleiß wird aber auch die Steigerung der Energieeffizienz von Gebäuden zunehmend zum Thema. Hohe (und steigende) Energiekosten machen energetische Sanierungen wirtschaftlich sinnvoll – zum Beispiel bei Dämmung oder Heizungstausch.
Das Ziel ist die Klimaneutralität von Gebäuden. Die damit verbundene politische Regulatorik (EU-Gebäuderichtlinie, GEG) kann künftig Sanierungspflichten für Eigentümer nach sich ziehen. Rücklagen sollten daher auch mögliche energetische Modernisierungskosten einkalkulieren.
Neben dem baulichen und energetischen Zustand gibt es weitere Faktoren, darunter die Bauweise und die Ausstattung der Gebäude wie beispielsweise die Aufzugsanlagen.
Die optimale Höhe der Instandhaltungsrücklage ist stark objektbezogen. Zur Ermittlung konkreter Summen stehen diverse Berechnungsmethoden zur Verfügung. Als Referenz wird dabei häufig die gesetzlich verankerte Instandhaltungskostenpauschale für den sozialen Wohnungsbau genutzt. Vom Verband Privater Bauherren e. V. wird empfohlen, nicht weniger als einen Euro pro Quadratmeter Wohnfläche im Monat zurückzulegen.
Staatliche Förderungen nutzen
Staatliche Programme sind nicht nur günstige Finanzierungsquellen – sie können in Kombination mit der Baufinanzierung auch die finanzielle Belastung reduzieren und damit indirekt zur Absicherung beitragen.
Die KfW-Bank bietet zinsgünstige Darlehen und Tilgungszuschüsse, insbesondere für energieeffizientes Bauen und Sanieren. Förderprogramme wie die „Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG)“ können die Finanzierungskosten jedoch senken.
Hier finden Sie die Übersicht über die Förderkredite der KfW, wenn Sie Eigentum neu bauen oder kaufen wollen.
Absicherung der Arbeitskraft: das größte Risiko für die Finanzierung
Das mit Abstand größte Risiko für jede Baufinanzierung ist der Ausfall des Einkommens. Aufgrund von Krankheit, Unfall oder Berufsunfähigkeit kann die sorgfältig geplante Finanzierung innerhalb weniger Monate gefährdet sein.
Folgende Absicherungen sollten unabhängig von der Baufinanzierung über externe Anbieter geprüft und gegebenenfalls abgeschlossen werden:
Berufsunfähigkeitsversicherung (BU)
Kann aufgrund von Krankheit oder Unfall der Beruf dauerhaft nicht mehr ausgeübt werden, zahlt die Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) eine monatliche Rente. Berechnen Sie die Versicherungsleistung so, dass damit auch Ihre Kreditrate abgedeckt ist.
Eine Risikolebensversicherung ist besonders für Paare und Familien relevant. Im Todesfall des Hauptverdieners zahlt diese eine Summe, die die Restschuld des Darlehens tilgen kann. So kann die Familie weiter im Eigenheim wohnen. Die Versicherungssumme sollte mindestens der aktuellen Restschuld entsprechen.
Als weitere Möglichkeit der Kreditabsicherung ist die Restschuldversicherung eine Option. Sie übernimmt die ausstehende Restschuld, wenn der Kreditnehmer den Kredit nicht mehr bedienen kann. Tod, Arbeitsunfähigkeit und Arbeitslosigkeit sind die häufigsten Leistungsauslöser.
Die Restschuldversicherung ist immer an einen einzelnen Kredit gebunden. Haben Sie mehrere Kredite, ist jeweils eine separate Versicherung notwendig. Dabei kann der Leistungsumfang je nach Anbieter stark variieren. Zudem können Ausschlussklauseln den Schutz einschränken. Sie umfassen oft Aspekte wie die Art der Arbeitslosigkeit oder Vorerkrankungen.
Prüfen Sie, ob eine Absicherung über die Berufsunfähigkeitsversicherung oder über die Risikolebensversicherung für Sie günstiger und sinnvoller ist.
Als Immobilienbesitzer kommen Sie an einigen Versicherungen nicht vorbei. Manche davon sind unter Umständen sogar Voraussetzung für die Kreditvergabe.
Die Wohngebäudeversicherung schützt Sie vor den finanziellen Folgen von Schäden durch Feuer, Leitungswasser, Sturm und Hagel. Schäden durch
Starkregen oder Überschwemmungen sind in der Regel nicht enthalten – hierfür ist eine separate Elementarschadenversicherung erforderlich.
Viele Banken verlangen den Nachweis einer Wohngebäudeversicherung als Bedingung für das Baudarlehen. Wenn Sie neu bauen, können Sie eine Feuerrohbauversicherung abschließen, die später in eine Wohngebäudeversicherung übergeht.
Hinweis: Eine Feuerrohbauversicherung ist im ersten Jahr bei vielen Gebäudeversicherungen inklusive und oft kostenlos.
Elementarschadenversicherung wird zunehmend wichtig
Elementarschäden sind in vielen Regionen Deutschlands mittlerweile eine reale Bedrohung. Extreme Wettereignisse steigen bedingt durch den Klimawandel weiter an. Elementarschäden umfassen dabei unter anderem Überschwemmungen, Rückstau infolge von Starkregen sowie Erdrutsche.
Eine Elementarschadenversicherung muss in der Regel zusätzlich zur Wohngebäudeversicherung oder Hausratversicherung abgeschlossen werden.
Haus- und Grundbesitzerhaftpflicht
Eigentümer tragen eine Verkehrssicherungspflicht für das Grundstück, den Gehweg und das Dach. Verletzt sich jemand auf Ihrem Eigentum und Sie sind Ihrer Verkehrssicherungspflicht nicht nachgekommen, können Sie hierfür haftbar gemacht werden. Die Haus- und Grundbesitzerhaftpflicht übernimmt in solchen Fällen berechtigte Schadensersatzansprüche Dritter.
Anschlussfinanzierung: Zinsänderungsrisiko im Blick behalten
Nach Ablauf der Zinsbindung steht die Anschlussfinanzierung an. Hier lauert ein oft unterschätztes Risiko: Wenn die Zinsen bis zu diesem Zeitpunkt deutlich gestiegen sind, kann die neue Monatsrate deutlich höher ausfallen.
Forward-Darlehen: Zinssicherung für die Zukunft
Läuft Ihre aktuelle Zinsbindung in absehbarer Zeit aus, können Sie sich mit einem Forward-Darlehen die aktuellen Konditionen bereits heute sichern. In der Regel zahlen Sie einen Zinsaufschlag, der sich bei steigenden Zinsen aber schnell lohnen kann. Je früher der Abschlusszeitpunkt, desto höher fällt der Aufschlag aus. Über die 1822direkt kann ein Forward-Darlehen bis zu drei Jahre vor Ablauf Ihrer bestehenden Baufinanzierung vermittelt aktuelle werden.
Viele Darlehensverträge erlauben jährliche Sondertilgungen von fünf bis zehn Prozent der Darlehenssumme. Die Restschuld zum Ende der Zinsbindung kann durch die Nutzung dieser Möglichkeit reduziert werden. Das Risiko bei der Anschlussfinanzierung sinkt dadurch erheblich.
Flexibilität im Darlehensvertrag nutzen
Beim Abschluss der Baufinanzierung lohnt es sich bereits auf flexible Vertragsbausteine zu achten:
- Sondertilgungsrecht: Mit diesem können Sie außerplanmäßige Zahlungen leisten, sobald sich eine Möglichkeit ergibt – zum Beispiel nach einer Erbschaft oder Bonuszahlung. So bleiben Sie unabhängig von einem festen Rückzahlungsplan und können finanzielle Spielräume genau dann nutzen, wenn sie entstehen.
- Tilgungssatzwechsel: Die Möglichkeit, den Tilgungssatz während der Laufzeit anzupassen, schafft Spielraum – sowohl in finanziell starken als auch in schwierigeren Phasen.
Wenn Sie diese Optionen frühzeitig vertraglich vereinbaren, behalten Sie die Kontrolle über Ihre Finanzierung – unabhängig von Ihrer Lebenssituation.
Eine leistungsfähige Baufinanzierung entsteht nicht allein durch eine einzelne Maßnahme, sondern durch das Zusammenspiel mehrerer Schutzebenen. Die wichtigste Ebene sind Sie selbst: Planen Sie mit einem realistischen Budget, ausreichendem Eigenkapital sowie finanziellen Reserven für mögliche unerwartete Situationen.
Als Ergänzungen lohnen sich externe Versicherungen, sowohl für Ihre Arbeitskraft als auch Ihre Immobilie. Schließen Sie diese möglichst unabhängig von Ihrer Finanzierungsbank ab. Mit den richtigen Finanzierungsbausteinen, wie einer langen Zinsbindung oder einem Forward-Darlehen, sichern Sie sich zudem gegen Marktrisiken ab. Flexibilität im Vertrag, unter anderem durch Sondertilgungsrechte und Tilgungssatzwechsel, sorgt in unterschiedlichen Lebenssituationen für den nötigen Spielraum.
„Eine Baufinanzierung steht auf einem stabilen Fundament, wenn alle Ebenen ineinandergreifen. Die Bank liefert die optimale Finanzierungsstruktur, während der Kreditnehmer selbst für Rücklagen, Förderungen und externe Absicherungen sorgt.“