Solarthermie nachrüsten: Das sollten Sie wissen

Lohnt es sich, Solarthermie nachzurüsten

Heizung und Warmwasser sind die zwei größten Faktoren, wenn es um den Energieverbrauch privater Haushalte geht. Das Nachrüsten von Solarthermie kann durchaus sinnvoll sein, um das bestehende Heizsystem zu entlasten. Aber lohnt sich das in jedem Fall?

Solarthermie nachrüsten | 1822direkt

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Solarthermie wandelt Sonnenlicht in Wärme um. Damit lässt sich Warmwasser bereiten und – je nach Anlage – die Heizung unterstützen. Deckt die Anlage einen Teil des Wärmebedarfs, kann beispielsweise eine vorhandene Öl- oder Gasheizung weniger Brennstoff verbrauchen. Wie groß dieser Effekt ausfällt, hängt unter anderem von der Größe der Anlage, der Sonneneinstrahlung und dem Wärmebedarf des Haushalts ab.
 

Aber holt man die Investitionskosten auch wieder raus? Gibt es attraktive Fördermittel, die eine Anschaffung kostengünstiger machen? Wir geben Ihnen einen Überblick über die Kosten, Erträge und Fördermöglichkeiten von Solarthermie.
 

Ein Überblick: Wie funktioniert Solarthermie

Ebenso wie die Photovoltaik nutzt auch Solarthermie Sonnenenergie zur Energiegewinnung. Es wird jedoch in der Regel kein Strom erzeugt, wie es zum Beispiel bei PV-Anlagen der Fall ist. Stattdessen wird über sogenannte Kollektoren Wärme gewonnen.

Solarkollektoren bestehen aus in Schleifen verbauten Schläuchen. In diesen Schläuchen wiederum befindet sich Solarflüssigkeit. Treffen die Sonnenstrahlen dann auf die Kollektoren, erwärmt sich diese Flüssigkeit und wird dann mithilfe einer Solarpumpe über einen Kreislauf zum Speicher transportiert. Dort wird das Brauchwasser – wenn nötig – über einen Wärmetauscher im Heizkessel erhitzt. Der vorhandene Solarregler sorgt schließlich dafür, dass der konventionelle Heizkessel nur dann anspringt, wenn die Solarenergie nicht ausreichend ist.
 

Flach- oder Röhrenkollektoren: Die Vor- und Nachteile

Für Solarthermie kommen zwei verschiedene Varianten von Kollektoren in Frage: Flachkollektoren und Röhrenkollektoren. Wie genau funktionieren die beiden Modelle und welche Vor- und Nachteile bringen sie mit sich?

Flachkollektor

Bei Flachkollektoren ist das Kollektorgehäuse auf der Oberfläche verglast und unterseitig wärmegedämmt. Kernstück dieser Variante ist der Absorber, dessen Fläche aus Kupfer- oder Aluminiumblech gemacht, beschichtet und mit kleinen Rohren durchzogen ist.
 

Vorteile von Flachkollektoren

  • Meist preiswerter in der Anschaffung
  • Möglichkeit, dachintegriert zu montieren

Nachteile von Flachkollektoren

  • Größerer Flächenbedarf, da der Wirkungsgrad geringer ist Höheres Gewicht
  • Im Winter ist die Wärme nicht gleichbleibend
  • Der Wirkungsgrad von Flachkollektoren liegt bei 60 bis 80 % und die Kosten belaufen sich auf 400 bis 500 € pro Quadratmeter.

Vakuum-Röhrenkollektor

Bei Röhrenkollektoren befindet sich der Absorber, ein beschichteter Blechstreifen, in einer Glasröhre innerhalb eines Vakuums. Während das umgebende Glas kalt bleibt, erreicht der Absorber sehr hohe Temperaturen.

Vorteile von Röhrenkollektoren

  • Hoher Wirkungsgrad: Der Kollektor kann auch eingesetzt werden, wenn nur eine begrenzte Fläche zur Verfügung steht
  • Leichtes Gewicht
  • Verlässlicher Wärmeleiter und geringe Wärmeverluste: Kollektor kann auch im Winter unterstützen

Nachteile von Röhrenkollektoren

  • Kann nicht in die Dachoberfläche integriert werden
  • Meist vergleichsweise teuer in der Anschaffung
  • Der Wirkungsgrad von Röhrenkollektoren liegt bei bis zu 90 %. Die Kosten belaufen sich auf 600 bis 800 € pro Quadratmeter.
     

Das Prinzip Hybridheizung

Eine Solarthermieanlage kann eine bestehende Heizung bei der Warmwasserbereitung und, je nach Auslegung, beim Heizen unterstützen. Übernimmt die Anlage einen Teil des Wärmebedarfs, benötigt die vorhandene Öl-, Gas- oder Pelletheizung entsprechend weniger Brennstoff. Dadurch können die mit dem Brennstoffverbrauch verbundenen Emissionen und die laufenden Heizkosten sinken.
Wie groß die Einsparungen ausfallen, hängt unter anderem vom Wärmebedarf, der bestehenden Heizung und dem Ertrag der Solaranlage ab. Für die Wirtschaftlichkeit müssen außerdem Anschaffungs- und Betriebskosten berücksichtigt werden.

Gut zu wissen: Solarthermie lässt sich mit vielen Heizsystemen kombinieren. Ob und wie eine Nachrüstung möglich ist, sollte ein Fachbetrieb für die vorhandene Anlage prüfen.
 

Welche Art der Anlage ist die richtige und wieviel Solarthermie brauche ich?

Grundsätzlich unterscheidet man zwischen reinen Anlagen zur Warmwasserbereitung und Kombianlagen, die zusätzlich auch die Heizung unterstützen. Für welche der beiden Varianten Sie sich entscheiden, liegt bei Ihnen.

  • Anlage für die Warmwasserbereitung: Durchschnittlich liegt der tägliche Warmwasserbedarf pro Person bei ca. 30 Litern. Um genug Puffer zu haben, sollten immer 60 bis 80 Liter pro Person im Speicher vorgehalten werden. Man rechnet zudem mit 1 bis 1,5 Quadratmetern Kollektorfläche pro Person.
  • Anlage mit Heizungsunterstützung: Hier ist der Bedarf in etwa doppelt so groß. Dementsprechend sollen sowohl die Kollektorfläche als auch die Speicherkapazität großzügiger bemessen sein. Man rechnet mit 1 Quadratmeter Kollektorfläche auf 10 Quadratmeter beheizte Wohnfläche und 40 bis 50 Liter Speicher pro Quadratmeter Kollektorfläche.  

Letztendlich hängt die benötigte Kollektorfläche allerdings auch vom Wirkungsgrad des gewählten Kollektors ab.
 

Die Erträge von Solarthermie

Solarthermie kann den gesamten Wärmebedarf Ihres Haushalts über das ganze Jahr nicht decken. Das liegt auch daran, dass die Dauer und Intensität der Sonneneinstrahlung im Sommer höher ist als im Winter. Auch die Leitungs- und Dämmverluste bei kalten Temperaturen erschweren die Wärmeerzeugung und -speicherung.

Im Sommer kann der Wärmebedarf mit Solarthermie in der Regel zu 100 %  gedeckt werden. In den Übergangsphasen kann auch die Heizungsanlage beinahe vollständig entlastet werden. Reicht die Sonneneinstrahlung einmal nicht aus, springt die Heizung ein. Über das Jahr verteilt können Sie mit einer Deckung von ca. 60 % des Bedarfs bei der Warmwasserbereitung rechnen. Bei der Heizungsunterstützung mit durchschnittlich 20 bis 30 %.  
 

Die Voraussetzungen für eine effiziente Solaranlage

Damit Ihre Solaranlage möglichst effizient ist, sollten Sie ein paar Voraussetzungen erfüllen:

  • Ausreichend große Dachfläche
  • Verschattungen vermeiden
  • Wenn möglich für Südausrichtung sorgen: Bei einer Ost-West-Ausrichtung müssen Sie mit Einbußen von 10 bis 30 %  rechnen
  • Dachneigung anpassen: Für Warmwasser sollte der ideale Neigungswinkel bei 30 bis 50 Grad liegen, bei Anlagen mit Heizungsunterstützung bei 45 bis 70 Grad  

Gut zu wissen: In der Übergangszeit ist die Heizungsunterstützung am effektivsten. Da dann die Sonne eher tief steht, ist ein steilerer Neigungswinkel optimal. Wer ein Flachdach besitzt, kann den Neigungswinkel mit Hilfe von Aufständerung anpassen – allerdings fallen die Anschaffungskosten dann höher aus.
 

Was kosten Montage und Installation einer Solarthermieanlage?

Die Installation von Solarkollektoren ist auf dem Dach oder – bei entsprechenden Kollektortypen – auch an der Hausfassade möglich. Der Speicher wird in der Regel im Keller aufgestellt. Die einzelnen Komponenten werden mit Rohrleitungen verbunden. Auch die Steuereinheiten und eine Pumpe müssen eingebaut werden. Da die Montage mit einem gewissen Aufwand verbunden ist, wird empfohlen, Installation und Aufbau von einem Fachbetrieb durchführen zu lassen.

Wie hoch die Installations- und Montagekosten ausfallen, kann nicht pauschal gesagt werden. Der Preis ist nämlich von vielen Faktoren abhängig, wie z. B.

  • der Größe der Anlage
  • der Art der Anlage (reine Warmwasserbereitung oder Anlage mit Heizungsunterstützung)
  • dem Typ des Kollektors
  • der Art der Dachintegration bei Flachkollektoren

Hinweis: Die Montage auf dem Dach ist die gängigste Variante. Indachmontage ist zeitaufwändiger und somit auch teurer. Bei der Indachmontage wird die Dacheindeckung abmontiert. Die Kollektoren werden dann in diese Fläche integriert.
 

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Fördermittel und Zuschüsse gibt es für Solarthermie

Für das Nachrüsten einer Solarthermieanlage können je nach Vorhaben Zuschüsse, Förderkredite oder eine steuerliche Ermäßigung infrage kommen. Welche Möglichkeit passt, hängt unter anderem vom Gebäude, der geplanten Anlage und den Voraussetzungen des jeweiligen Programms ab.

KfW-Zuschuss für eine einzelne Maßnahme

Private Eigentümerinnen und Eigentümer können für den Einbau einer förderfähigen Solarthermieanlage den KfW-Zuschuss „Heizungsförderung für Privatpersonen – Wohngebäude“ (458) prüfen.

Für den Antrag benötigen Sie eine Bestätigung zum Antrag, die ein Fachunternehmen oder eine Expertin beziehungsweise ein Experte für Energieeffizienz erstellt. Außerdem muss bereits ein Lieferungs- oder Leistungsvertrag vorliegen, der eine aufschiebende oder auflösende Bedingung für den Fall enthält, dass die KfW die Förderung nicht zusagt. Stellen Sie den Förderantrag, bevor die Arbeiten vor Ort beginnen.
 

KfW-Kredit bei einer umfassenden Sanierung

Ist die Solarthermieanlage Teil einer umfassenden Sanierung zum Effizienzhaus, kann der KfW-Förderkredit „Wohngebäude – Kredit“ (261) infrage kommen. Dafür muss eine Expertin oder ein Experte für Energieeffizienz eingebunden werden. Ob zusätzlich ein Tilgungszuschuss gewährt wird und wie hoch er ausfällt, hängt von der erreichten Effizienzhaus-Stufe und den weiteren Förderbedingungen ab. Auch die Baubegleitung kann im Rahmen des Programms gefördert werden.

Steuerliche Ermäßigung

Für eine Solarthermieanlage kann alternativ eine Steuerermäßigung nach § 35c Einkommensteuergesetz infrage kommen. Voraussetzung ist unter anderem, dass Sie Eigentümerin oder Eigentümer des selbst genutzten Gebäudes sind, das Gebäude bei Durchführung der Maßnahme älter als zehn Jahre ist und die Anlage die technischen Anforderungen erfüllt.

Die Steuerermäßigung beträgt insgesamt bis zu 20 % der begünstigten Aufwendungen, verteilt auf drei Jahre und begrenzt auf 40.000 € je Objekt. Für dieselbe Maßnahme können Sie diese Steuerermäßigung nicht mit einem steuerfreien öffentlichen Zuschuss oder einem zinsverbilligten Förderdarlehen kombinieren.
 

Finanzierung der Nachrüstung

Wenn Sie eine Solarthermieanlage nachrüsten möchten, ist es sinnvoll, die voraussichtlichen Kosten und mögliche Fördermittel frühzeitig in Ihre Planung einzubeziehen. Kosten, die Sie selbst tragen müssen, lassen sich je nach Vorhaben beispielsweise über einen Modernisierungskredit oder bei kleineren Maßnahmen über einen Ratenkredit finanzieren. Welche Finanzierung infrage kommt, hängt von Ihrem Vorhaben und Ihren persönlichen Voraussetzungen ab.

Auch an anderen Stellen des Hauses lässt sich der Energiebedarf beeinflussen: Über eine unzureichend gedämmte Gebäudehülle kann Heizwärme verloren gehen. Welche Maßnahmen möglich sind, erfahren Sie in unserem Ratgeber zur energetischen Sanierung. Tipps zu Geräten und Gewohnheiten finden Sie im Artikel „Energie sparen im Haushalt“.