Aktive ETFs: Was Anleger über die neue ETF-Generation wissen sollten

ETFs gelten für viele Anleger als einfach, günstig und transparent. Aktive ETFs gehen dabei noch einen Schritt weiter: Anders als klassische ETFs bilden sie einen Index nicht starr 1:1 ab, sondern werden von einem Management aktiv gesteuert. Dadurch können einzelne Werte gezielt ausgewählt, gewichtet oder angepasst werden.

Das Produktsegment wächst in Europa derzeit spürbar. Gleichzeitig bleibt die Frage, ob aktive ETFs für Privatanleger wirklich ein sinnvoller Mittelweg sind – oder am Ende vor allem komplexer und teurer als klassische ETFs. In unserem Ratgeber erfahren Sie, wie aktive ETFs funktionieren, welche Chancen und Risiken sie mitbringen und worauf Anleger besonders achten sollten.

Inhalt

Das Wichtigste in Kürze

  • Aktive ETFs werden nicht starr an einen Index gebunden, sondern von einem Managementteam aktiv gesteuert..
  • Der Markt für aktive ETFs wächst in Europa deutlich: Ende 2024 lagen die verwalteten Vermögen noch bei 52,5 Milliarden Euro, Ende 2025 bereits bei 78,8 Milliarden Euro und Ende März 2026 bei 85,6 Milliarden Euro. Damit machten aktive ETFs zuletzt 3,1 Prozent des gesamten ETF-Markts in Europa aus.
  • Für viele langfristige Anleger bleiben breit gestreute passive ETFs oft die einfachere und kostengünstigere Lösung.
  • Wer aktive ETFs nutzen möchte, sollte vor allem auf Strategie, Kosten, Transparenz und Vergleichsmaßstab achten.

Was sind aktive ETFs?

Aktive ETFs sind börsengehandelte Fonds. Anders als klassische ETFs bilden sie einen Index nicht einfach 1:1 nach. Stattdessen wird das Portfolio von einem Managementteam aktiv gesteuert. Das bedeutet: Einzelne Werte können gezielt ausgewählt, stärker gewichtet oder bei Bedarf angepasst werden. Dadurch sind aktive ETFs flexibler als passive ETFs, die einem festen Index folgen.

Gleichzeitig bleiben typische ETF-Merkmale erhalten. Dazu gehören vor allem die Börsenhandelbarkeit und die vertraute Produktstruktur. Aktive ETFs verbinden damit die ETF-Hülle mit einem aktiven Anlageansatz. Für Anleger liegt der Reiz vor allem in dieser Kombination: mehr Flexibilität als bei einem klassisch aktiv gemanagten ETF, aber ohne auf die bekannte ETF-Struktur zu verzichten. Genau das macht aktive ETFs derzeit für viele Anleger interessant.

Worin unterscheiden sich aktive ETFs von klassischen ETFs?

Klassische ETFs folgen in der Regel einem festen Index, zum Beispiel dem MSCI World oder dem DAX. Sie bilden die Entwicklung dieses Index möglichst genau nach. Aktive ETFs funktionieren anders. Hier trifft ein Managementteam die Anlageentscheidungen. Es wählt einzelne Werte gezielt aus, gewichtet sie unterschiedlich oder passt das Portfolio an die Marktlage an.

Der wichtigste Unterschied liegt also nicht in der Handelbarkeit an der Börse. Die ist bei beiden Produktarten identisch. Entscheidend ist vielmehr, wie das Portfolio zusammengesetzt wird. Für Anleger ist das wichtig, weil sich daraus auch unterschiedliche Kosten, ein anderes Maß an Transparenz und veränderte Erwartungen an die Rendite ergeben können.

Warum boomen aktive ETFs gerade?

Aktive ETFs können flexibler auf Marktveränderungen reagieren als klassische Indexfonds. Das kann in bestimmten Marktphasen ein Vorteil sein. So lassen sich Risiken möglicherweise gezielter steuern oder Chancen schneller nutzen.

Hinzu kommt: Aktive ETFs können für Anleger interessant sein, die bewusst bestimmte Regionen, Branchen oder Anlagestile aktiver steuern lassen möchten. Dafür müssen Sie nicht mehr direkt zu einem klassischen aktiv gemanagten Fonds greifen.

Ein weiterer Grund für das Wachstum dürfte laut dem Handelsblatt[3] sein, dass viele Anleger nach einem Mittelweg suchen. Sie wollen mehr Individualität bei der Anlage als bei einem rein passiven ETF, aber zugleich die bekannte ETF-Struktur behalten. Genau diese Position zwischen passivem Investieren und klassischen aktiven Fonds macht aktive ETFs derzeit für viele Anleger interessant.

Welche Chancen bieten aktive ETFs?

Aktive ETFs können auf Marktveränderungen flexibler reagieren als klassische Indexfonds. Das Management kann die Zusammensetzung des Portfolios anpassen und eigene Schwerpunkte setzen. So lassen sich zum Beispiel bestimmte Branchen, Regionen oder Anlagestile gezielt stärker gewichten.

Für manche Anleger kann genau das ein Vorteil sein. Sie möchten nicht nur einen Index abbilden, sondern bewusst einem bestimmten Investmentansatz folgen. Das kann zum Beispiel dann attraktiv sein, wenn Anleger sich an bekannten Strategien, prominenten Fondsmanagern oder viel diskutierten Marktmeinungen orientieren.

Die größere Steuerungsfreiheit eröffnet dabei zusätzliche Möglichkeiten. Aktive ETFs können die Chance bieten, sich in bestimmten Marktphasen besser als ein Vergleichsindex zu entwickeln, Schwankungen gezielter zu begrenzen oder schneller auf neue Entwicklungen zu reagieren.

Hinzu kommt: Aktive ETFs sind zwar meist teurer als klassische passive ETFs, häufig aber günstiger als traditionelle aktiv gemanagte Fonds. Für Anleger können sie damit einen Mittelweg bieten – zwischen der bekannten ETF-Struktur und einem aktiveren Anlageansatz.

Welche Risiken und Nachteile sollten Anleger kennen?

Aktive ETFs sind in der Regel teurer als klassische ETFs. Das liegt daran, dass das Portfolio aktiv gesteuert wird und dafür ein Managementteam Entscheidungen trifft. Gerade bei einer langfristigen Geldanlage können höhere laufende Kosten einen spürbaren Unterschied machen.

Hinzu kommt: Aktiv gemanagt bedeutet nicht automatisch, dass ein ETF auch besser abschneidet. Kritische Stimmen weisen darauf hin, dass aktive ETFs für Privatanleger nicht immer Vorteile bringen. In vielen Fällen laufen passive ETFs langfristig mindestens genauso gut oder sogar besser. 

Für Anleger besteht deshalb laut Experten das Risiko[2][3][5], mehr Komplexität und höhere Kosten in Kauf zu nehmen, ohne dass sich daraus am Ende eine bessere Rendite ergibt. Wer in aktive ETFs investieren möchte, sollte deshalb genau prüfen, ob der gewählte Ansatz die zusätzlichen Kosten und den aktiven Managementansatz wirklich rechtfertigt.

Für wen können aktive ETFs interessant sein?

Aktive ETFs können vor allem für Anleger interessant sein, die bewusst auf eine bestimmte Strategie, einen klaren Managementstil oder eine aktive Steuerung des Portfolios setzen möchten. Sie eignen sich besonders dann, wenn Anleger nicht einfach nur einen breiten Marktindex abbilden, sondern gezielt einem bestimmten Investmentansatz folgen wollen.

Für Einsteiger ist das jedoch nicht immer die naheliegendste Lösung. Wer vor allem einfach, breit gestreut und kostengünstig investieren möchte, fährt mit klassischen ETFs oft unkomplizierter. Diese Produkte sind meist leichter zu verstehen und passen für viele Anleger gut als Basisanlage.

In der Praxis können aktive ETFs daher eher als gezielte Ergänzung im Depot interessant sein. Sie passen vor allem zu Anlegern, die sich bewusst für einen bestimmten Ansatz entscheiden. Als Standardlösung für den langfristigen Vermögensaufbau kommen für viele dagegen weiterhin eher klassische ETFs infrage.

Worauf sollten Anleger bei aktiven ETFs besonders achten?

Wer in aktive ETFs investieren möchte, sollte vor allem auf die Kosten, die Anlagestrategie, die Transparenz und einen nachvollziehbaren Vergleichsmaßstab achten. Gerade bei aktiv gemanagten ETFs ist es wichtig zu verstehen, woran sich der Fonds messen lässt und wie stark das Management tatsächlich in die Zusammensetzung des Portfolios eingreift.

Ebenso wichtig ist die Frage, ob das Produkt wirklich zum eigenen Anlagehorizont und zur persönlichen Risikobereitschaft passt. Fachportale wie Finanzfluss weisen darauf hin[5], dass Anleger nur in Produkte investieren sollten, deren Funktionsweise sie nachvollziehen können. Wer nicht genau versteht, wie ein aktiver ETF investiert und welche Strategie dahintersteht, läuft eher Gefahr, Fehlentscheidungen zu treffen.


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Fazit: Sind aktive ETFs eine sinnvolle Ergänzung?

Aktive ETFs sind ein wachsendes Segment und stoßen offenbar bei Anlegern auf Interesse, die innerhalb der ETF-Struktur mehr Flexibilität suchen. Der Markt in Europa ist 2026 weiter gewachsen, gemessen am gesamten ETF-Markt aber noch vergleichsweise klein.

Für viele Anleger dürften klassische, breit gestreute ETFs dennoch weiterhin die einfachere und kostengünstigere Basislösung sein. Aktive ETFs können vor allem dann interessant sein, wenn bewusst eine aktive Strategie gewünscht ist und Anleger bereit sind, dafür höhere Kosten in Kauf zu nehmen.