Wie ein ungarischer Show-Tänzer eine neue Börsenstrategie entdeckte

Eine der vielen faszinierenden Geschichten von der Suche nach Glück und Reichtum

Für viele ist die Börse nur ein Ort, an dem Geschäfte gemacht werden. Doch die Welt der Aktien ist auch voller faszinierender Geschichten von Menschen, die ihr Glück und Reichtum gesucht haben – eine der spannendsten ist die des Tänzers Nicolas Darvas, der durch Zufall eine Strategie für die Aktienanlage entdeckt und damit ein Vermögen gemacht hat. Seine Geschichte hat er erstmals 1960 in seinem Buch „How I Made $ 2.000.000 in the Stock Market“ (dt.: „Die Darvas-Methode“) beschrieben.

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Wie ein ungarischer Show-Tänzer eine neue Börsenstrategie entdeckte / Bild: iStock

Ob die Geschichte wahr ist und die Strategie funktioniert, wie die Anhänger glauben, oder ob die Story geschönt ist, wie Zweifler kritisieren, sei dahingestellt. Sicher ist: Es ist eine beeindruckende Geschichte. Hier die Kurzfassung:

Die Geschichte beginnt im November 1952 in den USA – es ist die Zeit der großen Tanzpaläste und des glamourösen Nachtlebens, wie wir sie heute noch aus alten Hollywoodfilmen in Schwarzweiß kennen. Nicolas Darvas, der als junger Mann aus Ungarn in die USA gekommen ist, ist gemeinsam mit seiner Schwester Julia das wohl bekannteste Show-Tanz-Paar seiner Zeit. Eines Abends bekommt er ein ungewöhnliches Angebot: Nicolas Darvas soll mit seiner Schwester in einem Nachtclub auftreten, den zwei Brüder im kanadischen Toronto betreiben. Gage: 3.000 Dollar. Ungewöhnlich dabei:

Das Geld sollte nicht bar ausgezahlt werden, sondern in Wertpapieren: 6.000 Aktien des kanadischen Unternehmens Brilund, einer Minen- und Bergwerksgesellschaft. Die Aktien hatten einen Wert von jeweils 50 Cent, macht bei 6.000 Stück also 3.000 Dollar. Aus terminlichen Gründen muss Darvas das Angebot ablehnen – doch einmal neugierig geworden, kaufte er die Aktien:

„Da es mir peinlich war, die Brüder im Stich gelassen zu haben, erbot ich mich aus Anstand, die Aktien zu kaufen. Ich schickte einen Scheck über 3.000 Dollar und erhielt dafür 6.000 Aktien der Brilund-Gesellschaft“, schreibt er in seinen Erinnerungen.

Dann passiert das Unerwartete:

Wegen seiner vielen Auftritte hatte Darvas den Kauf der Aktien beinahe vergessen, bis er in einer ruhigen Minute in der Zeitung blätterte und auf die Seite mit den Aktienkursen stieß. Und was er da entdeckte, ließ ihm den Atem stocken: Der Kurs war innerhalb der acht Wochen von 50 Cent auf 1,90 Dollar hochgeschnellt. Darvas verkaufte noch am gleichen Tag. Sein Gewinn: 8.000 Dollar in acht Wochen.

Nicolas Darvas stürzt sich auf all die anderen unbekannten kanadischen Aktien, die damals gehandelt wurden. Und er holte sich eine blutige Nase: Das Geld, das er mit den ersten Aktien eingespielt hatte, war fast genauso schnell wieder verspielt. Doch Darvas lässt nicht locker. Er lernt alles über Aktien, was die Lehrbücher und Zeitschriften hergaben, kann aber den Gewinn nicht wiederholen.

In einem Moment der Ratlosigkeit starrte er schließlich auf die Zeitungsseite mit den Börsenkursen. Zufällig blickt er dabei auf den Kurs einer Aktie, die seit Wochen stieg. Mal war es zwar wieder ein bisschen heruntergegangen, aber konstant weiter und weiter hoch. Er beschließt, ein letztes Mal alles auf eine Karte zu setzen und diese Aktie zu kaufen. Sein Gedanke dabei: Wenn eine Aktie einmal schon längere Zeit steigt, dann ist es doch nur wahrscheinlich, dass sie auch weiter steigt. Und damit lag er richtig: Schon nach nach kurzer Zeit hatte er 5.000 Dollar Gewinn in der Tasche.

Der Tänzer macht eine Strategie aus seiner Beobachtung:

Er beginnt damit, die Börse nur noch nach Aktien zu durchforsten, die sich im Aufwärtstrend befinden. Innerhalb von 18 Monaten macht er aus 25.000 US-Dollar die sagenhafte Summe von 2,25 Millionen – berichtet er in seinem Buch.

Ob es so stimmt, kann wohl keiner mehr überprüfen. Immerhin hat der ungarische Tänzer noch heute unter den Börsianern viele Anhänger, die dieser Strategie folgen, die auch Trendfolge-Strategie genannt wird. Die Anhänger dieser Methode investieren nur in Aktien, die sich in einem stabilen Aufwärtstrend befinden, weil sie davon ausgehen, dass die Aufwärtsbewegung noch länger anhält. Kursschwankungs- und Verlustrisiken bleiben gleichwohl bestehen.

 

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