Brexit: Werden sie bleiben oder gehen?

Kurz vor der Abstimmung: Welche (finanziellen) Auswirkungen ein EU-Austritt Großbritanniens für Deutschland hätte

Brexit: Werden sie bleiben oder gehen?

Brexit: Werden sie bleiben oder gehen? / Bild: iStock

In gut 2 Wochen ist es so weit: Am 23. Juni stimmen die Briten über den Austritt aus der EU ab – über den vieldiskutierten Brexit, so das Kunstwort aus Britannien und Exit. Anders als bei dem Schweizer Volksentscheid über den Mindestlohn, bei dem eine Ablehnung schon vorher so gut wie feststand, ist das Ergebnis vor der britischen Entscheidung offen. In den aktuellen Umfragen liegen Gegner und Befürworter des EU-Austritts etwa gleichauf.

„Schock für Finanzmärkte“: Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) warnt in einem aktuellen wirtschaftlichen Ausblick davor, dass der EU-Austritt schwerwiegende Folgen haben könnte.[1] Ein Austritt könne einen Schock an den Finanzmärkten auslösen – vergleichbar mit dem Aufflammen der Finanzkrise 2011/2012. Allerdings wären die Auswirkungen nicht so stark wie bei der großen Finanzkrise 2008.

  • „Weniger Export“: Das angesehene Münchner ifo Institut vermutet, dass die Deutschen gleich mehrfach von einem Austritt aus der EU Großbritanniens betroffen wären: Im schlimmsten Fall könnten neue Zollschranken aufgebaut werden, die den exportabhängigen deutschen Unternehmen den Handel erschweren könnten. „Die deutschen Exporteure wären mit Abstand die größten Verlierer eines Brexits“, warnt etwa Ron van het Hof, der Chef von Kreditversicherung Euler Hermes in einem Zeitschriftenartikel.[2] Die Folge könnte dann eine Zunahme der Insolvenzen sein.
  • „Höhere Ausgaben“: Darüber hinaus könnten zusätzliche Ausgaben auf Deutschland zukommen, weil die Beiträge, die von den Briten bisher geleistet wurden, dann ausfallen und auf die anderen Beitragszahler aufgeteilt werden müssten.[3]
  • „Mehr Bedeutung für Frankfurt“: Es gibt nicht nur pessimistische Stimmen. Manch ein Experte erwartet auch positive Folgen, falls die Briten den EU-Austritt durchziehen. Dann nämlich, so die Prognose, könnte London seinen Status als wichtigster Finanzplatz Europas verlieren. Und davon würde vor allem Frankfurt profitieren. Die Main-Metropole ist jetzt bereits Standort vieler Banken und Aufsichtsbehörden im Finanzbereich.[4]

Fest steht allerdings auch: Bis die tatsächlichen Folgen des Brexit eintreten könnten noch Jahre vergehen. Die Konditionen und der genaue Ablauf eines Ausstiegs müssten zwischen den Briten und der EU verhandelt und neue Verträge über die zukünftige Zusammenarbeit aufgesetzt werden. Und das kann bekanntlich dauern.

[1] Quelle: http://www.finanzen.net/nachricht/aktien/Wie-2011-2012-OECD-Brexit-wuerde-in-Europa-Finanzschock-ausloesen-4913082 und http://www.oecd.org/economy/economicoutlook.htm

[2] http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/deutsche-exporteure-wuerden-unter-brexit-stark-leiden-a-1094274.html

[3] Quelle: http://www.focus.de/finanzen/news/staatsverschuldung/ifo-institut-warnt-deutschland-muesste-fuer-einen-brexit-zahlen_id_5339281.html

[4] Quelle: http://www.businessinsider.de/frankfurt-und-der-brexit-der-deutsche-finanzplatz-als-profiteur-2016-6

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