Wie viel Regio ist in Regio?

Wer Lebensmittel aus der eigenen Region bevorzugt, sollte trotz des großen Angebots genau hinschauen

Wie viel Regio ist in Regio? Bild: iStock

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Regionale Produkte sind der neue Trend: Möhren vom Feld vor den Toren der Stadt, Geflügel vom Hof in der Nähe, Obst von der Plantage nebenan … Das ist nicht nur ein gutes Gefühl, das klingt auch vernünftig, weil lange Transportwege vermieden und die heimische Wirtschaft unterstützt wird. Nach einer Umfrage des Bundesministeriums für Ernährung Landwirtschaft und Verbraucherschutz bevorzugen 92 % der Deutschen beim Einkauf Produkte aus der eigenen Region. Die Supermärkte haben den Trend erkannt und bieten im großen Stil regionale Produkte an – oft spürbar teurer als die Massenware mit unklarer Herkunft. Doch Achtung:

Das Problem: Es gibt keine verbindlichen Regeln dafür, was die Hersteller und Händler als Regional-Produkt bezeichnen und bewerben können und was nicht. Die Folge: Jede Kette hat schöne bunte Regional-Siegel und -Marken, die auf den Produkten prangen. Aber ob das Produkt wirklich aus dem Umkreis kommt, ist nicht immer sicher. Die Tageszeitung „Die Welt“ spricht vom „Etikettenschwindel bei regionalen Produkten“. Der regionale Ursprung sei oft „einfach nur eine Täuschung“.

Offensichtlich ist das, wenn etwa ein Kaffee mit dem Regionalsiegel verkauft wird – schließlich weiß jeder, dass hierzulande kein Kaffee angebaut wird. Aber einem Apfel oder einer Möhre kann man nicht ansehen, woher sie kommen.

Was tun, wenn Sie wirklich regionale Produkte haben wollen?

Dann bleiben Ihnen nur zwei Möglichkeiten:

  • Sie fragen nach, und kaufen nur dort, wo Sie auf die Angaben der Händler vertrauen können und wollen. Wenn möglich, gehen Sie zu Märkten, auf denen Bauern und Produzenten noch die eigenen Produkte verkaufen.
  • Allein auf Regio-Siegel und Aufkleber können Sie sich nicht verlassen. Vieles davon ist nur Marketing. Jedoch gibt es seit 2014 das so genannte Regionalfenster – ein blaues Siegel, das vom Bundesministerium für Ernährung Landwirtschaft und Verbraucherschutz unterstützt wird. Darauf steht, aus welcher Region die wichtigsten Zutaten des Produkts stammen und wo es verpackt wurde. Strenge Verbraucherschützer kritisieren zwar auch dieses Siegel, weil es die Regionen einerseits recht weit fasst und andererseits freiwillig ist, so dass nur vergleichsweise wenige Produkte das Siegel tragen. Aber immerhin bietet das Fenster eine Orientierung und ein wenig Sicherheit.

 

Ein Gedanke zu „Wie viel Regio ist in Regio?

  1. Christoph T.

    „Blicklicht im Labeldschungel“

    Die konkurrierende und wachsenden Anzahl an Labels sorgt bei vielen Verbrauchern eher für „Verwirrung“ als für einen schnellen Rat vor Ort am Supermarktregal. Sie sprechen richtigerweise an, dass es für Verbraucher oft schwer ist zu unterscheiden, welches Label welche Aussagekraft hat bzw. ob man blind vertrauen sollte. Leider sind wir noch nicht angekommen, sondern befinden uns auf dem richtigen aber auch noch längerem Weg um „gut“ einkaufen zu können. Insgesamt ist aber im Einzelhandel eine positive Entwicklung zu beobachten. Vom Vollsortimentern bis zu den Discountern gibt es mehr Frische, Bio, FairTrade-Produkte und auch Regionales und mehr Vegetarisches. Das war vor zehn Jahren noch deutlich anders.

    Die Verbraucher Initiative betreibt eine Plattform, wo Verbraucher ca. 600 Labels und Siegel rund um Nachhaltigkeit, Umwelt, Qualität und Regionales finden und besser einschätzen können. Das „Regionalfenster“ wurde u.a. mit „besonders empfehlenswert“ bewertet.
    Interessierte finden konkrete Informationen unter. http://label-online.de/label/regionalfenster/

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