Fitness-Apps: Wer Schritte zählt, spart Geld

Fitness-Apps und -Armbänder kommen: Erste Versicherungen bieten Vorteile für Versicherte, die Bewegungsdaten übermitteln – aber es gibt Bedenken

Haben auch Sie schon eines der immer beliebteren Fitnessarmbänder? Immer mehr Menschen zählen mit den Bändchen oder mit einer Schrittzähler App auf dem Smartphone, zeichnen ihre Bewegungsdaten und überwachen ihre Fitness. Wer will, kann sich das jetzt immer häufiger von der Krankenkasse belohnen lassen – nach dem Motto: Wer etwas für die Fitness tut und das nachweisen kann, soll auch davon profitieren!

Der neue Trend: Fitness-Apps und -Armbänder / Bild: iStock

Der neue Trend: Fitness-Apps und -Armbänder / Bild: iStock

Knackpunkt dabei: Bei den privaten Krankenversicherungen ist üblich, dass die Tarife mit dem Krankheitsrisiko steigern: Wer älter ist, raucht oder Vorerkrankungen hat, muss mehr bezahlen. Bei den gesetzlichen Krankenkassen ist eine solche Verknüpfung von Gesundheitsrisiken mit den Beiträgen verboten. Es darf niemand diskriminiert werden.

Trotzdem finden die ersten gesetzlichen Krankenkassen Wege, um die nachgewiesene Fitnassaktivitäten zu honorieren: über Rabatte und Boni. Der Versicherte zahlt also den gleichen Beitrag wie alle anderen, bekommt aber dann nachträglich Geld oder andere Leistungen, wenn er mit dem Fitnessarmband oder der App nachweist, dass er seine Bewegungsziele erreicht hat.

So können etwa die Versicherten bei der AOK Nordost mit der Fitness-App „FitMitAOK“ Punkte sammeln. Punkte gibt es zum Beispiel bei folgenden Bewegungsdaten…

  • wenn der Puls mindestens 30 Minuten lang mit über 110 Schlägen pro Minute arbeitet,
  • wenn innerhalb von 30 Minuten mindestens 150 Kilokalorien verbraucht oder
  • innerhalb von 24 Stunden mindestens 10.000 Schritte zurückgelegt werden.

Die App übermittelt die Punkte an die Krankenkassen. Dafür gibt es dann beispielsweise Rabatte bei Partnerunternehmen, Prämien wie Sportartikel oder Bargeld. Prämien im Gegenwert von bis 375 € sollen möglich sein.

Weitere Versicherungen planen spezielle Tarife auch für Risikolebens- und Berufsunfähigkeitsversicherungen und Verknüpfung mit weiteren Daten. Eine Versicherungs-App zeichnet nicht nur Bewegungsdaten auf, sondern auch den Einkauf im Supermarkt. Wer zu gesunden Lebensmitteln greift, bekommt Vorteile.

Ob sich lukrative Spezialtarife und Boni für die Nutzer von Fitness-Trackern durchsetzen werden, ist allerdings offen. Dafür gibt es mehrere Gründe:

  • Datenschützer haben Bedenken, weil es sich um sensible Daten handelt, über der Versicherte die Kontrolle verlieren könnte, wenn er sie weitergibt.
  • Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) hat sich in einem Zeitungsartikel bereits dagegen ausgesprochen, Fitness-Tracker zu verwenden, um besondere Tarife anzubieten.
  • Und auch nicht alle Versicherungen sind davon überzeugt, dass sich die steigenden Gesundheitsausgaben durch Förderung der Bewegung senken lassen. So lehnt etwa Birgit König, Vorstand der Allianz-Versicherung, spezielle Sportler-Tarife ab, die mit Fitness-Apps- und -Armbändern überwacht werden können. Ein Grund dafür: Nur etwa 2,5 % der Gesundheitsausgaben seien auf mangelnde Bewegung zurückzuführen. Hinzu kommt, dass Sport – gerade dann, wenn er zu intensiv betrieben wird – zu Verletzungen und damit zu Ausgaben führen kann.

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