Sind nur schlechte Nachrichten gute Nachrichten?

Börsenweisheiten und was dahintersteckt – heute „Buy on bad news, sell on good news“

Börsenweisheiten / Bild: iStock

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Wer sich zum erste Mal mit Aktienanlage beschäftigt, begegnet ihnen unvermeidbar: den unzähligen Börsenweisheiten. Für beinahe jede Lebenslage haben die Börsianer einen der vielen Sprüche parat, die auch immer wieder in den Börsennachrichten im Fernsehen zu hören sind. In loser Reihenfolge stellen wir Ihnen einige der bekanntesten Börsenweisheiten vor (zuletzt: „Sell in May and go away“(1)). Heute erfahren Sie aus gegebenem Anlass, was hinter einem bekannten Spruch steckt, in dem es um die Nachrichtenlage geht, die Einfluss auf die Börsenkurse nimmt.

„Buy on bad news, sell on good news“

Eine deutsche Übersetzung könnte lauten: „Kaufe bei schlechten Nachrichten, verkaufe bei guten Nachrichten.“ Der Aktienanleger soll also dann Aktien kaufen, wenn schlechte Nachrichten die Runde machen, andere zurückhaltend sind oder gar ihre Aktien verkaufen und die Kurse deshalb niedrig sind. Verkaufen soll er dagegen dann, wenn sich positive Nachrichten verbreiten, die allgemeine Stimmung deshalb gut ist und die Kurse steigen.

Diese Börsenweisheit geht vermutlich auf Nathan Rothschild aus der berühmten Rothschild-Dynastie zurück, der bereits 1810 in London gesagt haben soll: „Buy on the sound of cannons, sell on the sound of trumpets.“ Also: „Kaufe beim Donnern der Kanonen. Verkaufe beim Klang der Trompeten.“

Die Idee ist also, sich mit den eigenen Investments antizyklisch gegen den Trend zu verhalten. Wenn die Masse der Anleger unsicher ist und durch Verkäufe den Kurs drückt, billig zugreifen – und dann mit Gewinn verkaufen, wenn die Herde angetrieben durch Zuversicht und gute Aussichten wieder in Aktien investiert und die Kurse nach oben getrieben hat.

Aktuelles Beispiel: Im Moment beherrscht die Brexit-Entscheidung die Nachrichten. Die Anleger werten die Austrittsentscheidung der Briten als schlechte Nachricht. Die Aktienkurse sind nach der Entscheidung stark gefallen. Wer sich an die Regel „Buy on bad news“ hält, würde also diese Situation nutzen, um Aktien zu kaufen, um dann in einigen Wochen, Monaten oder Jahren wieder zu verkaufen, wenn sich die Stimmung möglicherweise gebessert hat und die Kurse gestiegen sind. Eine solche Entwicklung kann man jedoch nicht vorhersehen.

Wie bei so vielen Regeln kann diese Rechnung also funktionieren – muss aber nicht. Die Weisheit sei zwar „verlockend einfach“, meint Jean Guido Servais von der Investmentfirma J.P. Morgan in einem Zeitungsartikel(2). Anwendbar sei sie aber eher für Profis. Privatanleger könnten auch mit der Regel immer wieder schwer einschätzen, wann der richtige Kauf- und Verkaufszeitpunkt gekommen sei. Wenn nämlich nach ersten schlechten Nachrichten weitere „bad news“ folgen, könnte der Kurs immer noch weiter abstürzen. Wer sofort nach den ersten schlechten Nachrichten gekauft habe, könne dann herbe Verluste verzeichnen.

[1] https://www.1822direkt.de/blog/sell-in-may-and-go-away-jetzt-alle-aktien-verkaufen/

[2] „Warum schlechte Nachrichten gute Nachrichten sind“, Handelsblatt, 10.04.2012, http://www.handelsblatt.com/finanzen/anlagestrategie/trends/boersenweisheit-warum-schlechte-nachrichten-gut-sind/6492780.html

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