Schülerboom bis 2030: Was erwartet Deutschland?

Schülerboom bis 2030?

Jetzt aber schnell in die Klassen / Bild: Monkey Business Images/Shutterstock

Laut Zahlen des Kultusministeriums aus dem Jahr 2012 soll es zu einem Rückgang des Nachwuchses und damit zukünftiger Schülerzahlen kommen. Dabei wurden jedoch zwei Komponenten nicht berücksichtigt: Die in den letzten fünf Jahren steigende Geburtenrate innerhalb Deutschlands sowie eine verstärkte Zuwanderung. Die Bertelsmann-Stiftung brachte unter Bezugnahme dieser Faktoren eine neue Studie zu zukünftigen Schülerzahlen heraus und kommt damit zu einem konträren Ergebnis. Sie geht sogar von einem Schülerboom bis zum Jahr 2030 aus.

Die Ergebnisse der Bertelsmann-Studie

Laut ihrer Studie geht die Bertelsmann-Stiftung davon aus, dass die Schülerzahlen bis zum Jahr 2030 deutlich stärker steigen als bislang angenommen:

  • Bereits im Jahr 2025 werden 8,3 Millionen Kinder und Jugendliche an allgemeinbildenden Schulen erwartet, im Jahr 2030 bereits 8,6 Millionen – das Kultusministerium prognostizierte im Jahr 2012 eine Anzahl von 7,5 Millionen Schülern.
  • Das entspräche einem Zuwachs von 8 Prozent bis zum Jahr 2030. Dieser betrifft in erster Linie die Grundschulen sowie die Sekundarstufe I. In der Sekundarstufe II wird vorerst weiterhin mit einem Rückgang der Schülerzahlen gerechnet. An Grundschulen wird erwartet, dass in acht Jahren insgesamt 24.000 Lehrer zu wenig beschäftigt sind. Für die Sekundarstufe I beläuft sich die Zahl auf 27.000 Lehrkräfte.
  • Als Gründe für den Zuwachs nennt die Stiftung
    • Jährlich steigende Geburtenraten in Deutschland in den letzten fünf Jahren
    • Große Zuwanderung junger schulpflichtiger Menschen nach Deutschland

Dabei sind nicht alle Bundesländer gleichermaßen von den starken Veränderungen betroffen: Die größten Zuwächse wird es in Großstädten und Metropolen geben.

Auf welchen Zahlen beruht die Studie?

Schülerboom bis 2030? / Bild: Syda Productions/Shutterstock

Zur Erstellung der Studie zogen die Forscher folgende Zahlen heran:

  • Aktuelle Zahlen (2015) des Statistischen Bundesamtes
  • Geburtenzahlen aller deutschen Krankenhäuser aus dem Jahr 2016, wie sie dem Hersteller der Babynahrung Milupa vorliegen.

Was sind die Konsequenzen aus der Studie?

Aufgrund der Ergebnisse aus der Studie fordern Stiftungsvorstand Jörg Dräger sowie Studienautor Dirk Zorn, dass sich das Schulsystem auf die Änderungen einstellt. Das müsse vor allen Dingen rechtzeitig passieren, da Experten davon ausgehen, dass sich die Umsetzung entsprechender Maßnahmen über einen Zeitraum von bis zu 7 Jahren erstrecken wird.

Welche Maßnahmen müssen in Folge des Schülerbooms getroffen werden?

  • Der Staat oder die Schulen müssen zusätzliche Lehrer anstellen.
  • Es muss für ausreichend Platz in Form von neuen Schulgebäuden gesorgt werden. Vermutet wird, dass etwa 2.000 neue Grundschulen gebaut werden müssen, um der wachsenden Schülerzahl gerecht werden zu können.
  • Da die Schülerzahlen in der Vergangenheit immer wieder Schwankungen unterlagen, muss das Schulsystem in Zukunft anpassungsfähiger werden, um auf die jeweiligen Zahlen flexibel reagieren zu können. Ein Vorschlag besteht darin, das durch eine kürzere Planungsdauer für den Bau von Schulhäusern zu erreichen. Eine weitere Möglichkeit liegt darin, Konzepte zu erstellen, welche eine flexiblere Raumnutzung ermöglichen.

Was bedeutet das für Deutschland?

Treffen die Erwartungen aus der Studie tatsächlich ein, stehen das Kultusministerium und der Staat unter Handlungsdruck. Die Forscher gehen davon aus, dass aufgrund des Schülerbooms rund 4,7 Milliarden Euro mehr in die Bildung investiert werden müssen. Dabei kommt es darauf an, dass Länder und Kommunen effektiv zusammenarbeiten. Die Ausbildung der Lehrkräfte liegt in der Verantwortung der einzelnen Länder, während das Errichten neuer Schulgebäude in den Aufgabenbereich der Kommunen fällt. Berlin geht mit gutem Beispiel voran und beginnt bereits damit, neue Schulen zu bauen, um angemessen auf die Bevölkerungszahl zu reagieren, die in der Hauptstadt seit Jahren steigt. Geplant sind 42 neue Schulstandorte mit stark verkürzten Planungsvorläufen. Sachsen-Anhalt sorgt hingegen für Ausbildungsplätze, um zusätzliche Lehrkräfte auszubilden.

 

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