Risikobereitschaft oder Gewinn-Chance? – Wie würden Sie Ihre nächste Aktie auswählen?

Bei der Auswahl von Aktien können Sie aufs Risiko oder auf die Gewinn-Chancen schauen – was mehr Erfolg verspricht, zeigt die Wissenschaft

Stellen Sie sich diese Situation vor: Sie bekommen die Aufgabe, Aktien für ein Geldanlage-Depot zusammenzustellen. Wonach würden Sie die Aktien aussuchen:

Aktien - Gewinnchance oder Verlustrisiko? Bild: iStock

Aktien – Gewinnchance oder Verlustrisiko? Bild: iStock

  • Würden Sie die Aktien nehmen, von denen Sie sich den größten Gewinn versprechen?
  • Oder nehmen Sie Aktien, denen Sie das geringste Risiko zuordnen?

Der größte Anteil der Aktienanleger dürfte diese Frage wohl so beantworten: „Ich nehme natürlich die Aktien, von denen ich mir den größten Kursanstieg verspreche.“

Die meisten Anleger suchen deshalb nach Vorhersagen, welche Aktie vermutlich ansteigt, und suchen sich danach ihre „heißen“ Favoriten aus. Wer dagegen eher auf die Risiken schaut und nur vermeintlich wertstabile Aktien auswählt, wird gern als Angsthase belächelt, der wenig Chance hat, gute Gewinne zu machen.

Wer sich die Sache jedoch genauer anschaut, erlebt schnell eine Überraschung:

Anleger, die vor allem auf die Risiken schauen und vermeintlich wertstabile Aktien auswählen, steigern ihre Aussichten auf Erfolg und werden unter dem Strich oft mehr verdienen – das sagt zumindest die Wissenschaft.

Der Grund:

Die Kursschwankungs- und Verlustrisiken, die mit Aktien verbunden sind, lassen sich leichter vorhersagen als die zukünftige Kursentwicklung.

So erklärt etwa Professor Dr. Stefan Mittnik, Inhaber des Lehrstuhls für Finanzökonometrie an der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität in einem Interview mit dem Magazin „Das Investment“: „Empirische Studien zeigen immer wieder, dass Bemühungen, Kursentwicklungen vorherzusagen, sowohl für Analysten als auch Privatanleger Zeitverschwendung sind.“ (Quelle: Das Investment, 04.11.2015)

Wer Aktien aufgrund von Prognosen für Kursanstiege kaufe, betreibe also Glücksspiel.

Dagegen ließen sich Gefahren und Risiken, die zu Verlusten führen könnten, vergleichsweise besser einschätzen.

Die Folge daraus: Wer seine Geldanlagen nach geringer Risikobereitschaft auswählt, liegt häufiger richtig. So schreibt etwa auch Tobias Aigner, Redakteur bei der Zeitschrift „€uro am Sonntag“ unter der Überschrift „Risiken runterfahren“: „Ich bin eher der Risikotyp. Einer, der Aktien mit wenig Verlustgefahr ins Depot nimmt, statt heiße Wetten einzugehen. Wissenschaftlich gesehen ist das völlig richtig. Denn es ist viel einfacher, das Risiko eines Investments vorherzusagen als seine Rendite.“ (Quelle: €uro am Sonntag, Ausgabe 51-52/15, S. 31)

Bitte beachten Sie, dass Verluste gleichwohl nicht ausgeschlossen sind.

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