Rechtzeitig für den Lebensabend vorsorgen: Wieso ist eine betriebliche oder private Altersvorsorge wichtig?

Die gesetzliche Rente bietet heutzutage leider keine ausreichende finanzielle Absicherung mehr für die Zeit nach der Berufsfähigkeit.

Betriebliche oder private Altersvorsorge / Bild: hin255/Shutterstock

Betriebliche oder private Altersvorsorge / Bild: hin255/Shutterstock

Das trifft nicht mehr nur auf Geringverdiener zu, auch Arbeitnehmer, die ein durchschnittliches Einkommen beziehen, sind nicht automatisch mit der gesetzlichen Rente abgesichert und laufen Gefahr, später auf Sozialleistungen angewiesen zu sein.

 

 

 

Um sich im Alter nicht allein auf die gesetzliche Rentenversicherung verlassen zu müssen, sollten sich Arbeitnehmer mit zusätzlicher Altersvorsorge beschäftigen. Viele Vorsorgeangebote scheinen auf den ersten Blick kompliziert. Dennoch sollte man sich frühzeitig für eine betriebliche Altersvorsorge entscheiden, um auch nach dem Berufsleben finanziell abgesichert zu sein. Je später man mit der zusätzlichen Altersvorsorge beginnt, desto geringer ist die Ausbeute im Rentenalter oder desto höher muss der monatliche finanzielle Einsatz sein, um später die gewünschte Auszahlung zu erhalten.

Die Rentenlücke, auch Versorgungslücke genannt, ist der Prozentsatz, um den das letzte monatliche Netto-Einkommen vor Renteneintritt die gesetzliche Altersversorgung übersteigt. Und diese gilt es zu schließen, wenn man auch während der Rente den bisherigen Lebensstandard halten möchte.

Versorgungslücke am Beispiel einer Programmiererin

Eine Programmiererin hätte einen monatlichen finanziellen Bedarf von 2.369 Euro. Das wären 80 % ihres letzten Netto-Einkommens. Tatsächlich erhält sie durch die gesetzliche Rentenversicherung aktuell aber nur 1.558 Euro. Es entsteht eine Versorgungslücke von 811 Euro.

Wenn sie diese schließen möchte, um auch im Alter finanziell abgesichert zu sein, hat sie zusätzlich zur gesetzlichen Rentenversicherung die Möglichkeiten der betrieblichen und/oder privaten Altersvorsorge.

Warum betriebliche Altersvorsorge (bAV)?

Der Staat fördert privates Sparen fürs Alter zum Beispiel mit Riester-Verträgen, der Rürüp-Rente und der betrieblichen Altersvorsorge. Seit 2002 haben Arbeitnehmer einen gesetzlichen Anspruch auf betriebliche Altersvorsorge. Die häufigste Form sind Betriebsrenten, die vom Arbeitnehmer finanziert werden. Dabei handelt es sich um die sogenannte Entgeltumwandlung.

Wer hat Anspruch auf betriebliche Altersvorsorge?

Seit 2002 haben Arbeitnehmer, die in der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversichert sind, Anspruch auf betriebliche Altersvorsorge durch Entgeltumwandlung.

Was ist die Entgeltumwandlung?

Der Arbeitnehmer kann Teile seines Gehalts oder Sonderzahlungen, wie beispielsweise das Weihnachtsgeld, in Beiträge zur betrieblichen Altersvorsorge umwandeln und sich so eine Zusatzrente aufbauen. Dabei zahlt der Arbeitnehmer die Beiträge nicht selbst ein, wie bei der privaten Altersvorsorge, sondern sein Arbeitgeber. Der Arbeitgeber kann die Beiträge intern anlegen oder extern bei einer Direktversicherung oder in einem Pensionsfonds:

Direktversicherung Pensionsfonds
Lebens- oder Rentenversicherung, die der Arbeitgeber zugunsten des Arbeitnehmers abschließt. Der Arbeitgeber überweist monatlich einen Teil des Gehalts an einen Versicherer; Begünstigter ist der Arbeitnehmer, der im Rentenalter das angesparte Geld ausgezahlt bekommt. Das eingezahlte Geld wird im Laufe der Jahre verzinst. Ein vom Arbeitgeber selbst organisiertes Sondervermögen, ebenfalls zur Versorgung der Mitarbeiter im Rentenalter.

 Welche Möglichkeiten gibt es noch?

Dass private Vorsorgeprodukte immer wichtiger werden, zeigt sich auch daran, dass der Staat versucht, möglichst viele Deutsche zur privaten Vorsorge zu motivieren.

Riester-Rente Rürüp-Rente
Anbieter kann eine Bank oder eine Versicherung sein. Versicherungsnehmer werden durch Steuervergünstigungen gefördert.
Bis zum Rentenbeginn zahlt man einen Beitrag in die Versicherung ein. Wie viel, bleibt einem selbst überlassen (allerdings mindestens 60 Euro im Jahr). Ein bestimmter Prozentsatz der Beiträge kann als Sonderausgaben geltend gemacht werden (78% im Jahr 2014).
Das Ersparte kann man sich dann mit Eintritt ins Rentenalter auszahlen lassen. Die Auszahlungen dieser Rente unterliegen der nachgelagerten Besteuerung. Das bedeutet: In der Ansparphase gibt es Steuervorteile, in der Rentenphase müssen auf die Auszahlungen Steuern gezahlt werden.

Die Vorteile einer betrieblichen Altersvorsorge auf einen Blick

  • Die Beiträge gehen vom Bruttogehalt der Arbeitnehmer ab. Das bedeutet, sie bleiben steuer- und abgabenfrei (frei von Sozialabgaben)
  • Angestellte müssen sich nicht um die Durchführung und damit verbundene Formalitäten kümmern. Dies übernimmt der Arbeitgeber. Er führt auch die Beiträge ab.
  • Verwaltungs- und Abschlusskosten sind teilweise günstiger als bei Anbietern der privaten Altersvorsorge, weil sie auf eine größere Personengruppe verteilt werden oder der Arbeitgeber einen Mengenrabatt vom Versicherungsunternehmen erhält.
  • Beschäftigte können zusätzlich zur betrieblichen eine private Altersvorsorge abschließen.
  • Bei tariflichen Modellen können die Leistungen auf die beruflichen Risiken angepasst werden.

Wieso private Altersvorsorge?

Die private Rentenversicherung ist ein Versicherungsvertrag, der eine lebenslange Rente vorsieht. Diese Form der Altersvorsorge wird jedoch nicht vom Staat gefördert. Sie wird als Sofortrente oder als aufgeschobene Rentenversicherung abgeschlossen. Nach Versicherungsende erhält der Versicherungsnehmer die monatliche Auszahlung als wiederkehrende Zahlung bis zum Tod.

Sofortrente Aufgeschobene Rentenzahlung
Einmalige Zahlung in die Rentenversicherung, für die man eine lebenslange Rente erhält. Die monatlichen Rentenzahlungen beginnen nicht sofort, sondern erst später. Zwischen Vertragsabschluss und Rentenzahlung können Jahre liegen.

Tipps zur Altersvorsorge

  • Erkundigen Sie sich über die Höhe der Leistungen, die Sie im Rentenalter von der gesetzlichen Rentenversicherung erhalten würden. Sie können diese den jährlichen Bescheiden der gesetzlichen Rentenversicherungsträger entnehmen.
  • Ermitteln Sie Ihren Geldbedarf im Rentenalter. Überlegen Sie dafür, welche Ausgaben Sie später voraussichtlich haben werden. Ihre private Zusatzrente sollte die oben beschriebene Lücke zwischen gesetzlicher Rentenversicherung und finanziellem Bedarf im Rentenalter schließen.
  • Informieren Sie sich bei Ihrem Arbeitgeber über die Möglichkeiten einer betrieblichen Altersvorsorge.
  • Prüfen Sie Ihre Altersvorsorge regelmäßig. Vergewissern Sie sich jährlich, ob Sie mit der zu erwartenden Rente auskommen können und passen Sie bestehende Verträge gegebenenfalls an.

Ein Gedanke zu „Rechtzeitig für den Lebensabend vorsorgen: Wieso ist eine betriebliche oder private Altersvorsorge wichtig?

  1. Manuel _

    Das Beispiel der Programmiererin ist ja nett, allerdings sollte der „finanzielle Bedarf“ etwas genauer aufgeschlüsselt werden. So wirkt es willkürlich aus der Luft gegriffen – damit kann jede VErsorgungslücke erzeugt werden.

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