Pflegeversicherung 2017 – Änderungen durch das PSG II

Das Pflegestärkungsgesetz II (PSG II) ist in Kraft getreten. Die bisherigen 3 Pflegestufen werden durch 5 Pflegegrade ersetzt.

Änderungen durch das PSG II / Bild: DGLimages/Shutterstock

Änderungen durch das PSG II / Bild: DGLimages/Shutterstock

Daraus ergibt sich, dass alle Pflegebedürftigen ab 2017 gleichberechtigten Zugang zu den Leistungen der Pflegeversicherung haben, unabhängig davon, ob sie von körperlichen, geistigen oder psychischen Beeinträchtigungen betroffen sind.

 

 

Bisher fand eine Unterscheidung von Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen einerseits und Menschen mit psychischen und kognitiven Beeinträchtigungen andererseits statt. Die allgemeinen Richtlinien zur Sozialen Pflegeversicherung sind im Sozialen Gesetzbuch (SGB XI) festgelegt.

Die neuen 5 Pflegegrade

Grundlage der Einstufung in die Pflegegrade ist jetzt ein ermittelter Gesamtpunktwert, der zwischen 0 und 100 liegt. Dabei werden Beeinträchtigungen in zentralen Lebensbereichen mit unterschiedlicher Gewichtung begutachtet.

Der neue Pflegebedürftigkeitsbegriff orientiert sich stärker an:

  • Bedürfnissen jedes Einzelnen
  • Individuellen Beeinträchtigungen und Fähigkeiten
  • Der persönlichen Lebenssituation

Pflegegrad 1: Geringe Beeinträchtigung der Selbständigkeit (12,5 bis unter 27 Punkte)

  • Niedrigste Stufe
  • Für Menschen, welche die Grundbedingungen für die bisherige Pflegestufe 0 nicht erfüllt haben
  • Mit dem neuen PSG II gelten so mehr Menschen als pflegebedürftig und erhalten Unterstützung durch die Pflegeversicherung

Pflegegrad 2: Erhebliche Beeinträchtigung der Selbständigkeit (27 bis unter 47,5 Punkte)

  • Entspricht der Pflegestufe 0 und 1 ohne eingeschränkte Alltagskompetenz
  • Im Unterschied zu den Pflegestufen reicht nach der Pflegereform ein geringerer Zeitaufwand für die Pflege, um dem Pflegegrad 2 zugeordnet zu werden
  • Analog zu den Pflegestufen wird zwischen Pflegebedürftigkeit mit und ohne eingeschränkter Alltagskompetenz unterschieden, was sich auch auf die Höhe der finanziellen Unterstützung auswirkt

Pflegegrad 3: Schwere Beeinträchtigung der Selbständigkeit (47,5 bis unter 70 Punkte)

  • Entspricht Pflegestufe 1 (mit eingeschränkter Alltagskompetenz, meist Demenz) und Pflegestufe 2 (ohne eingeschränkte Alltagskompetenz)
  • Unterschied: Menschen mit eingeschränkter Alltagskompetenz, die bisher unter Pflegestufe 1 liefen, erhalten nun höhere Leistungen (Geldleistung ambulant +301 €, Sachleistungen ambulant +609 €)

Pflegegrad 4: Schwerste Beeinträchtigung der Selbständigkeit (70 bis unter 90 Punkte)

  • Für Menschen, die Leistungen der Pflegestufe 2 mit eingeschränkter Alltagskompetenz und Pflegestufe 3 bezogen haben
  • Unterschied: Höhere Einstufung von Menschen mit eingeschränkter Alltagskompetenz (Geldleistung ambulant +270 €, Sachleistungen ambulant +314 €)

Pflegegrad 5: Schwerste Beeinträchtigung der Selbständigkeit mit besonderen Anforderungen an die pflegerische Versorgung (ab 90 Punkte)

  • Höchster Pflegegrad
  • Für Menschen, die vorher Pflegestufe 3 mit eingeschränkter Alltagskompetenz zugeteilt waren, beziehungsweise unter die Definition „Härtefall“ (Menschen, die außergewöhnlich hohen Pflegeaufwand erfordern) fielen
  • Seit der Pflegereform 2017 werden in diesem Pflegegrad keine Unterscheidung mehr zwischen Menschen mit und ohne eingeschränkten kognitiven Fähigkeiten gemacht

Welche Leistungen stehen Ihnen zu?

Als Unterstützung stehen den Pflegebedürftigen verschiedene Leistungen zur Verfügung:

  • Ambulante Geldleistung: Die ambulante Geldleistung kann von Pflegebedürftigen in Anspruch genommen werden, die zuhause von Angehörigen, Freunden oder Bekannten gepflegt werden. Dabei erhält der Pflegebedürftige die Leistung direkt von der Pflegekasse. Er kann selbst entscheiden, welche Summe er an die Pflegenden für seine Unterstützung ausbezahlt.
  • Ambulante Sachleistung: Die ambulante Sachleistung erhalten Pflegebedürftige, die zuhause von einem professionellen Pflegedienst gepflegt werden oder in einer Pflege-WG leben. In diesem Fall rechnen die ambulanten Pflegedienste ihre Leistungen direkt mit der Krankenkasse ab.
  • Entlastungsbetrag: Der Entlastungsbetrag unterstützt Pflegebedürftige und pflegende Angehörige: Er kann zum Beispiel verwendet werden, um eine teilstationäre Tages- oder Nachtpflege oder eine vorübergehende vollstationäre Kurzzeitpflege in Anspruch zu nehmen.
  • Pflegehilfsmittel: Dabei handelt es sich um Geräte und Sachmittel, die zur häuslichen Pflege benötigt werden. Diese helfen dabei, die Beschwerden des Pflegebedürftigen zu lindern oder ihm eine größtmögliche Selbständigkeit zu ermöglichen. Darunter fallen beispielsweise Pflegebetten oder –rollstühle, Hausnotrufsysteme oder auch Einmalhandschuhe.

Höhe der Leistungen nach Pflegegrad (in Euro)

Ambulante Geldleistung Ambulante Sachleistung Entlastungsbetrag Pflegehilfsmittel
Pflegegrad 1 0 0 125 40
Pflegegrad 2 316 689 125 40
Pflegegrad 3 545 1.298 125 40
Pflegegrad 4 728 1.612 125 40
Pflegegrad 5 901 1.995 125 40

Pflegegrad beantragen

Bei Pflegebedürftigen, die bereits in eine Pflegestufe eingeteilt sind, erfolgt die Neueinteilung seit Januar 2017 automatisch. Für Menschen, die erst pflegebedürftig werden, gilt folgender Ablauf:

  • Der MDK (Medizinischer Dienst der Krankenkassen) unternimmt die Einteilung in den Pflegegrad nach einem Besuch des Pflegebedürftigen.
  • Auf der Grundlage des Gutachtens durch den MDK muss die Pflegeleistung bei der Krankenkasse persönlich beantragt werden.
  • Leistungen aus der Pflegeversicherung werden erst im Monat der Antragstellung erbracht. Denken Sie daher daran, den Antrag so früh wie möglich zu stellen.
  • Die Einteilung des Pflegegrades und damit die Höhe der Leistungen sind abhängig vom Gutachten des MDK. Bereiten Sie sich daher gut auf den Besuch des MDK vor. Führen Sie beispielsweise ein Pflegetagebuch, in dem Sie alle Pflegemaßnahmen einschließlich zeitlichen Aufwands über mindestens zwei Wochen notieren.

Was bringt die Pflegeversicherung 2017 noch mit sich?

Aktuell sind in Deutschland 2,7 Millionen Menschen auf Pflege angewiesen. In den kommenden anderthalb Jahrzehnten wird sich diese Zahl vermutlich auf 3,5 Millionen Menschen erhöhen. Das neue Pflegebedürftigkeitsgesetz bietet Hilfen, die Selbständigkeit und Fähigkeiten der Pflegebedürftigen zu erhalten und zu stärken. Um entsprechende Maßnahmen zu finanzieren, wird der Beitragssatz zur Pflegeversicherung zum 1. Januar 2017 um 0,2 Prozentpunkte angehoben. So stehen jährlich etwa fünf Milliarden Euro mehr für Pflegeleistungen zur Verfügung.

Sichern Sie sich und Ihre Angehörigen ab

Je nachdem, in welchen Pflegegrad Pflegebedürftige eingestuft werden, erhalten diese Pflegegeld von der Pflegekasse. Unabhängig davon, welchem Pflegegrad Betroffene zugeordnet werden: Pflegebedürftigkeit sorgt häufig für hohe finanzielle Kosten. Die gesetzliche Pflegeversicherung deckt nur einen Teil dieser Kosten. Für den Rest müssen Sie mit eigenen Mitteln aufkommen. Sie können die Kosten dafür aus Ihrem monatlichen Einkommen, aus vorhandenem Kapital oder aus Immobilienbesitz decken. Bestehen diese Möglichkeiten nicht, werden Angehörige zur Kasse gebeten. Um das zu verhindern, sorgen Sie rechtzeitig vor und informieren Sie sich jetzt über eine Pflegezusatzversicherung, mit der Sie Ihr Vermögen gegen finanzielle Folgen der Pflegebedürftigkeit absichern.

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