Nie wieder Maklergebühren! Oder doch?

Bestellerprinzip beim Makler tritt in Kraft – warum Mieter wahrscheinlich trotzdem häufig weiter in die Tasche greifen müssen

Nie wieder Maklergebühren! Oder doch?

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Das klingt verlockend für Mieter: Seit dieser Woche gilt das Bestellerprinzip beim Immobilienmakler. Schaltet der Vermieter einen Makler ein, muss er die Provision selbst zahlen – und nicht mehr wie bisher der Mieter.

Eigentlich eine schöne Entlastung für Mieter, die bei einem Umzug ohnehin finanziell schnell ins Schwitzen kommen, weil Renovierung, Umzugsunternehmen, Kaution und neue Möbel bezahlt werden müssen. Makler kassieren in der Regel die zweifache Kaltmiete plus 19 % Mehrwertsteuer – bei größeren und teureren Wohnungen sind das schnell Beträge im 4-stelligen Bereich.

Doch Mieter sollten sich nicht zu früh freuen. Findige Makler und Vermieter haben Mittel und Wege gefunden, um den Mieter weiterhin zur Kasse zu bitten.

So funktioniert das Bestellerprinzip in der Idee

Grundsatz des neuen Bestellerprinzips ist, dass der Vermieter die Provision zahlt, wenn er den Makler damit beauftragt, einen neuen Mieter für seine Wohnung zu finden. Der Mieter muss nur noch dann zahlen, wenn er den Makler selbst beauftragt hat, eine Wohnung für ihn zu finden.

Das lässt sich schnell umgehen, indem der Mieter vor Abschluss des Mietvertrags formell einen Auftrag erteilt. Deshalb hat der Gesetzgeber vorgesorgt: Die Gebühr für den Mieter wird nur dann fällig, wenn der Makler die Wohnung aktiv für diesen Kunden nach Beauftragung ausfindig gemacht hat. Vermittelt er dem Mieter eine Wohnung, die bereits in seinem Bestand ist, braucht der Mieter die Provision nicht zu bezahlen.

So lässt sich das Gesetz aushebeln

Gerade in Gebieten, in denen Wohnraum knapp und teuer ist, könnten manche Vermieter und Makler nun einfach so vorgehen, um die Provision weiterhin vom Mieter zu bekommen:

Makler und Vermieter inserieren die zur Vermietung stehende Wohnung einfach nicht wie bisher. Der Makler wartet einfach darauf, dass sich ein potenzieller Mieter bei ihm meldet und ihn mit einer Suche beauftragt – was in Gebieten mit Wohnungsmangel nicht lange dauern wird. Schnell kann der Makler dann die passende Wohnung hervorzaubern und die Provision vom neuen Mieter verlangen.

Das würde auf dem Papier zwar gegen das neue Gesetz verstoßen, aber den Nachweis zu führen, dass der Makler schon vor dem Auftrag von der freien Wohnung wusste, dürfte schwierig sein. Der Mieter müsste schon nachweisen können, dass genau diese Wohnung einem anderen Interessenten angeboten wurde. In der Praxis ist das wohl kaum möglich.

Und es gibt weitere Schlupflöcher

  • Mieterhöhung. Der Vermieter zahlt den Makler zwar selbst, schraubt aber die Miete einfach etwas höher und hat die Provision nach einigen Monaten wieder eingefahren.
  • Abstandszahlungen. Der Vermieter kann auch versuchen, für Möbel oder Einbauküchen überhöhte Abstandszahlungen zu bekommen, um damit den Makler zu bezahlen. Das kann ein Interessent natürlich ablehnen. Aber dann wird nicht er die Wohnung bekommen, sondern der, der den überhöhten Preis ohne Murren zahlt. Das ist rechtlich zwar nicht sauber. Aber den Nachweis zu führen, dass eine Forderung für die Einbauküche zu hoch ist, dürfte ebenfalls schwierig sein.

 

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