Neues EU-Erbrecht 2015: Was Sie als Erbe und Vererber wissen sollten und wer jetzt sein Testament überarbeiten sollte

Seit dieser Woche gelten beim Europäischen Erbrecht neue Regeln: Am 17. August ist die bereits vor einigen Jahren beschlossene EU-Erbrechtsverordnung in Deutschland in Kraft getreten.

Die wichtigste Änderung für das neue Erbrecht 2015, die damit einhergeht:

Es gilt das Erbrecht des Landes, in dem der Verstorbene seinen „gewöhnlichen Aufenthalt“ hatte.

Betroffen von der neuen EU-Erbrechtsverordnung können also alle sein, die im EU-Ausland leben, beispielsweise Menschen, die ihren Alterssitz auf einer Mittelmeerinsel haben, oder Arbeitnehmer, die im Ausland arbeiten, oder Senioren, die zur Alterspflege im Heim in Osteuropa untergebracht sind. Diese Menschen sollten sich mit dem neuen EU-Erbrecht vertraut machen und gegebenenfalls handeln.

 

Neues EU-Erbrecht 2015

Neues EU-Erbrecht 2015 – Bild: iStock

Erbrecht Pflichtteil – Es gibt keine einheitlichen Regelungen in der EU

Nach der jetzt gültigen EU-Erbrechtsverordnung gilt das Recht des Landes, in dem der Erblasser gelebt hat. Das klingt zuerst einmal einfach, kann aber komplizierter sein, als manche denken. Nur ein Beispiel: Beim Tod eines Deutschen, der auf der beliebten spanischen Mittelmeerinsel Mallorca lebt, gilt jetzt das dortige Erbrecht. Das ist in diesem Fall allerdings nicht ein spanisches, sondern ein speziell mallorquinisches. Hier kann es also zu Überraschungen beispielsweise beim Thema „Erbrecht Pflichtteil“ kommen.

In vielen Ländern gibt es das in Deutschland weitverbreitete „Berliner Testament“ nicht. So wird das gemeinsame Testament von Lebenspartnern bezeichnet, in dem geregelt ist, dass der Partner Alleinerbe ist, wenn einer der beiden stirbt. Im italienischen und französischen Erbrecht sind solche gemeinsamen Testamente nicht möglich. Bei einem Sterbefall in Frankreich oder Italien kann das jetzt zu Problemen führen, weil das vorgesehene „Berliner Testament“ durch französische oder italienische Erbschaftsregelungen ersetzt wird.

Wer jetzt handeln sollte

Gedanken über die neue EU-Erbrechtsverordnung sollten sich alle machen, die sich für längere Zeit im Ausland aufhalten. Ein Urlaub gilt dabei nicht als gewöhnlicher Aufenthalt. Wer aber gewöhnlich in der eigenen Wohnung am Mittelmeer überwintert, könnte betroffen sein und sollte sich informieren, ob das eigene Testament so wie geplant nach neuem europäischem Erbrecht auch in dem jeweiligen Land gilt oder ob die neuen Regeln möglicherweise zu ungewollten Ergebnissen führen.

Wer seine Wahlheimat im Ausland hat und deshalb möglicherweise betroffen ist, hat zwei Möglichkeiten:

  • Entweder Sie regeln im Testament ausdrücklich, dass deutsches Erbrecht angewendet wird. Diese Wahlfreiheit haben Sie auch noch nach der jetzt gültigen EU-Erbrechtsverordnung. Es muss nur ausdrücklich geregelt sein!
  • Oder: Es kann auch sein, dass die Erbschaftsregeln in Ihrer Wahlheimat einfacher oder günstiger für Sie sind. Wer hier Sicherheit haben will, sollte sich von einem Anwalt oder Notar beraten lassen.

 

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