Liebe allein reicht für den Steuervorteil nicht

Steuervorteil auch für Unverheiratete? Aktuelles Urteil zum Ehegatten-Splitting für Paare

Steuervorteile für Paare

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Das Ehegattensplitting ist einer der lukrativsten Steuervorteile. Wenn ein Partner gut und deutlich mehr verdient als der andere, kann eine Hochzeit eine kräftige Steuerersparnis bringen.

Das weckt immer wieder Begehrlichkeiten – auch bei Paaren, die nicht verheiratet sind und sich gegenüber Verheirateten benachteiligt fühlen. So hat jetzt ein unverheiratetes Paar aus Nordrhein-Westfalen vor dem Finanzgericht geklagt, weil die beiden in der Steuererklärung nicht vom Splitting profitieren können. Anlass für die Klage: Auch Lebenspartnerschaften von gleichgeschlechtlichen Partnern können vom Splitting profitieren. Hier sah sich das Paar benachteiligt.

Das Finanzgericht Münster stellte jedoch klar: Den Steuervorteil gibt es nur für Ehepartner und eben für eingetragene Lebenspartnerschaften, die unter den besonderen Schutz von Ehe und Familie fallen. Unverheiratete Paare genießen diesen Schutz nicht und deshalb gebe es auch kein Recht auf den Steuervorteil (Finanzgericht Münster, Urteil vom 18.05.2016, Aktenzeichen: 10 K 2790/14 E).

Das heißt: Liebe allein reicht für den Steuervorteil nicht. Wer weniger Geld an den Fiskus zahlen will, muss Ernst machen und heiraten.

Hintergrund: So funktioniert das Ehegattensplitting

Das Ehegattensplitting ist ein Steuervorteil für Ehepartner, der in dieser Form in den 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts eingeführt wurde, um die Gründung von Familien steuerlich und finanziell zu fördern. Die grundsätzliche Idee dabei:

  • Das Paar wird ab der Hochzeit steuerlich gemeinsam veranlagt.
  • Dann wird das Einkommen der beiden Partner zusammengerechnet und halbiert. Für diese Hälfte wird dann die Einkommensteuer berechnet.
  • Schließlich wird der so ermittelte Einkommensteuerbetrag verdoppelt – das ist dann die Einkommensteuer, die das Ehepaar zahlen muss.

Eine teils kräftig spürbare Ersparnis ergibt sich daraus, wenn einer der beiden deutlich mehr verdient als der andere. Denn wer viel verdient, zahlt durch die so genannte Progression immer mehr Steuern. Das heißt: Je mehr Einkommen, desto höher der Steuersatz, der darauf gezahlt werden muss. Durch das Splitting wird das hohe Einkommen des besser verdienenden Partners für die Berechnung der Steuer jedoch auf beide verteilt. Dadurch kommt im Schnitt ein niedrigerer Steuersatz heraus.

Beispiel: Ein Partner verdient 45.000 € im Jahr, der andere lediglich 15.000 €. Solange beide nicht verheiratet sind, zahlt der Besserverdienende rund 10.800 € und der Geringerverdienende etwa 1.340 € Einkommensteuer pro Jahr. Mit dem Splitting zahlen beide zusammen jedoch rund 1.000 € weniger pro Jahr (Quelle: Vereinigte Lohnsteuerhilfe).

An dem Beispiel wird allerdings auch deutlich: Wenn beide Partner in etwa gleich viel verdienen, wirkt sich das Ehegattensplitting steuerlich kaum aus.

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