Lebenslanges Rückgaberecht? – So sind die Regeln

Sogar IKEA schafft unbegrenztes Rückgaberecht ab: Welche Garantien, Gewährleistungen und Umtauschrechte Sie bei Käufen im Handel und im Internet haben

Garantien, Gewährleistungen und Umtauschrechte

Garantien, Gewährleistungen und Umtauschrechte / Bild: iStock

Das bekannte schwedische Möbelhaus war eines der wenigen großen Unternehmen, die mit einem „lebenslangen Rückgaberecht“ geworben haben. Vor zwei Jahren versprach das Unternehmen den Kunden, dass sie gekaufte Waren ein Leben lang zurückgeben könnten – kürzlich machte das Unternehmen dann einen Schritt zurück: Seit 1. September haben die Kunden nur noch ein einjähriges Rückgaberecht.

Für das Möbelhaus war das Presse-Echo wenig erfreulich – von einem Rückzieher war die Rede, das Rückgaberecht sei nur ein Marketing-Gag gewesen. Was viele dabei jedoch übersehen:

Auch ein einjähriges Rückgaberecht ist immer noch ein überdurchschnittlich gutes Angebot. Stationäre Handelsgeschäfte sind überhaupt nicht dazu verpflichtet, Ware zurückzunehmen, die dem Kunden nicht gefällt. Ein Recht auf Umtausch gibt es beim Kauf im Ladengeschäft nicht, wenn die Ware einwandfrei ist. Nur wenn sie fehlerhaft oder defekt ist, muss der Händler nachbessern oder den Kaufpreis erstatten, wenn die Reparatur nicht möglich ist.

Allerdings sind viele Händler im Kampf um den Kunden dazu bereit, Ware umzutauschen, und werben sogar zum Beispiel mit dem problemlosen Umtausch, etwa im Weihnachtsgeschäft, damit Geschenke nach dem Fest umgetauscht werden können.

Verwöhnt vom Online-Handel

Dass die Rücknahme in Geschäften nur freiwillig ist, wissen viele nicht, weil sie vom Online-Kauf verwöhnt sind. Hier gilt das 14-tägige Widerrufsrecht. Innerhalb von zwei Wochen nach Erhalt kann die Ware ohne Angabe von Gründen zurückgeschickt werden. Der Verkäufer muss dann den Kaufpreis erstatten.

Dazu sind Händler, die ihre Waren im Geschäft verkaufen, eben nicht verpflichtet. Räumen sie ein Rückgaberecht oder eine „Garantie“ ein, ist das eine freiwillige Maßnahme, auf die der Kunde nicht pochen kann. Wer also im Geschäft kauft, sollte deshalb die wichtigsten gesetzlichen Regeln kennen:

  • Gewährleistung: Jeder gewerbliche Händler ist dazu verpflichtet, auf Neuware 24 Monate Gewährleistung einzuräumen. Bei Gebrauchtwaren 12 Monate. Das heißt: Tritt ein Mangel auf, den das Produkt vor Kauf hatte, muss der Händler die Ware reparieren oder anders nachbessern. Wenn der Händler vermutet, dass die Ware beim Verkauf in Ordnung war und Mängel durch Fehler oder falsche Bedienung des Kunden entstanden sind, gilt innerhalb der ersten sechs Monate nach Kauf: Der Händler muss beweisen, dass der Kunde schuld ist. Nach den sechs Monaten dreht sich die Beweislast um: Tritt dann ein Mangel auf, muss der Kunde nachweisen, dass das Produkt schon beim Kauf fehlerhaft war. Solche Beweise sind immer schwierig zu führen. Deshalb müssen sich Kunden oft auf die Kulanz des Händlers verlassen.
  • Garantien: Viele Hersteller geben darüber hinaus eigene Garantien – ein bekannter Hersteller von Aufbewahrungsdosen sogar für 30 Jahre. Zu solchen Garantien gibt es allerdings keine Vorschriften. Es handelt sich immer um freiwillige Leistungen. Hier sollte sich jeder beim Kauf das Kleingedruckte durchlesen. Macht der Hersteller keinerlei Angaben zu eigenen Garantien, gilt allein die Gewährleistung.

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