Konjunktur in Deutschland: Aktueller Stand und Prognosen

Die Konjunktur in Deutschland 2017 und diesbezügliche Prognosen

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Produktionsfaktore sind überdurchschnittlich ausgelastet / Bild: Smileus/Shutterstock

Die deutsche Wirtschaft boomt. Mögliche Gründe dafür liegen in steigenden Beschäftigungszahlen und damit einhergehenden hohen Einkommen. Diese wiederum sorgen dafür, dass private Haushalte Ausgaben tätigen können und die Nachfrage am Markt ungehalten hoch bleibt. Dieser Prozess wird durch die lockere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank bei einem aktuellen Leitzins von 0,00 Prozent unterstützt. Und nicht nur private Haushalte, auch die Industrie profitiert von dieser Entwicklung und produziert jede Menge Güter, nicht nur für das Inland – ebenso für einen lukrativen Exporthandel.

Konjunktur in Deutschland aktuell

Laut Untersuchungen des Instituts für Weltwirtschaft (IfW) steuert Deutschland derzeit auf die Hochkonjunktur zu. Entsprechend der aktuellen Entwicklungen hat das Institut seine Zahlen für das 3. Quartal 2017 angepasst. Aktuell wird von einer Steigerung des Bruttoinlandsprodukts für das kommende Jahr auf 2 Prozent ausgegangen. Ursprünglich erwartet waren 1,7 Prozent. Daneben kennzeichnet sich die konjunkturelle Lage in Deutschland aktuell wie folgt:

  • Die Produktionsfaktoren sind überdurchschnittlich ausgelastet.
  • Es werden hohe Konsumausgaben getätigt.
  • Zusätzlich tragen hohe Investitionen und Exporteinnahmen zu einem weiteren Aufschwung bei.
  • Sinkende Arbeitslosigkeit bzw. steigende Beschäftigungszahlen am Arbeitsmarkt führen zu höheren Löhnen sowie Einkommenszuwächsen. Laut Angaben der Bundesagentur für Arbeit stieg die Anzahl der Erwerbstätigen im Vergleich zu 2016 um 638.000 auf insgesamt 43,7 Millionen Menschen – eine Zunahme von 1,5 Prozent. Das entspricht einem der höchsten Beschäftigungsstände seit 1991. Dabei dürfte sich der positive Trend der Erwerbstätigkeit im kommenden Jahr fortsetzen. Die gute Lage auf dem Arbeitsmarkt gepaart mit Einkommenssteigerungen begünstigt den privaten Konsum. Aus diesem Grund wird für das Jahr 2018 ein Zuwachs an Konsumausgaben von über 1,5 Prozent erwartet.
  • Die derzeitige konjunkturelle Lage sorgt für gestiegene Steuereinnahmen in Bezug auf Einkommens-, Lohn- und Körperschaftssteuer. Konkret sind das Mehreinnahmen in Höhe von 6,4 Prozent. Ebenso bleiben die Ausgaben des Staates steigend. Insgesamt nehmen die staatlichen Ausgaben sogar noch stärker zu als die Einnahmen. Das führt zu einer Reduktion des Haushaltsüberschusses bis zum Jahr 2018 auf etwa 13 Milliarden Euro.
  • Sowohl privater als auch öffentlicher Konsum tragen insofern zu Wirtschafswachstum und einer positiven Konjunkturentwicklung Deutschlands für das Jahr 2017 bei.
  • Entsprechend der Prognosen des Internationalen Währungsfonds (IWF) fällt das Wachstum für Deutschland im Vergleich zur gesamten Eurozone allerdings etwas geringer aus.
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Es werden hohe Konsumausgaben getätigt / Bild: linerpics/Shutterstock

Konjunkturprognosen für Deutschland

Aktuell gibt es drei wesentliche wirtschaftspolitische Themen, die gegebenenfalls Einfluss auf die Entwicklung der Konjunktur Deutschlands nehmen könnten:

  • Brexit
  • US-Handelspolitik unter Donald Trump
  • Dieselkrise

Inwieweit diese Ereignisse ein Risiko für die positive Entwicklung der deutschen Wirtschaft darstellen, bleibt offen. Konkrete Auswirkungen lassen sich selbst durch Experten derzeit noch nicht abschätzen. Ökonomen gehen allerdings davon aus, dass die deutsche Wirtschaft auch im nächsten und übernächsten Jahr eine positive Entwicklung nehmen wird. Dem geschuldet ist nicht nur die hohe Nachfrage im Inland, sondern gleichzeitig die Tatsache, dass sich die gesamte Weltwirtschaft erholt, wovon der deutsche Export weiterhin profitiert.
Was aktuelle Konjunkturprognosen für Deutschland anbelangt, legt sich keiner der Experten aufgrund der bevorstehenden Ereignisse abschließend fest. Die Prognosen kommen zu teilweise unterschiedlichen Bewertungen: Während Jens Boysen-Hogrefe, Konjunkturexperte des IfWs, vor einer Überhitzung der deutschen Wirtschaft warnt, geht Ferdinand Fichtner, Konjunkturexperte des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) davon nicht aus und prognostiziert einen weiteren Anstieg der deutschen Wirtschaft. Diese Prognose wird unterstützt vom Essener RWI. Konjunkturchef Roland Döhrn prognostiziert ein stabiles Wachstum von 1,8 Prozent für das Jahr 2018.

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