Kein Steuerbonus für fleißige Abend- und Wochenendarbeiter

Wer viel von zuhause aus arbeitet, braucht ein Arbeitszimmer, die Kosten dafür erkennt das Finanzamt aber meist nicht an – was Sie vor der nächsten Steuererklärung wissen sollten

Werbungskosten & das Arbeitszimmer zu Hause / Bild: iStock

Werbungskosten & das Arbeitszimmer zu Hause / Bild: iStock

Das Arbeiten von zuhause aus ist bei Ihnen auch ein Regelfall? Sie erledigen am Wochenende und abends manchmal E-Mails, die tagsüber liegen geblieben sind? Viele Arbeitgeber erwarten ein solches Engagement sogar mehr von ihren Mitarbeitern. Dann haben wahrscheinlich auch Sie zu Hause einen Arbeitsplatz oder vielleicht sogar ein abgeschlossenes Home Office in Ihrer Wohnung oder Ihrem Haus.

Da liegt es doch nahe, die Kosten für das Arbeitszimmer bei der Steuer geltend zu machen. Schließlich wird anteilige Miete dafür fällig, und Sie brauchen den Raum, um Ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Leider macht der Fiskus Ihnen da einen Strich durch die Rechnung. Nach jahrelangem Gang durch die Instanzen haben in der vergangenen Woche die Richter der Bundesfinanzhofs noch einmal bestätigt, dass ein Abzug der Kosten nur in wenigen Fällen möglich ist (Bundesfinanzhof, Beschluss vom 27.7.2015, Az. GrS 1/14, veröffentlicht am 28.1.2016). In dem Fall ging es darum, ob auch die Kosten für ein Zimmer geltend gemacht werden können, das nur teilweise als Arbeitszimmer zur Erzielung von Einkünften genutzt wird. Das haben die Richter jetzt abgelehnt.

Damit bleibt es steuerlich bei den strengen Regeln

Nur wenn eine der beiden Voraussetzungen erfüllt ist, können Sie die Kosten für das Arbeitszimmer geltend machen:

  • Entweder: Ihr Arbeitszimmer ist alleiniges Zentrum Ihrer gesamten beruflichen Tätigkeit. Das kommt in der Regel nur bei Selbstständigen infrage, die zu Hause arbeiten. Beispiel: Der Grafiker, der freiberuflich für Werbeagenturen arbeitet und sich zu Hause in der Wohnung ein Zimmer als Arbeitsraum eingerichtet hat. Er kann die auf das Arbeitszimmer entfallenden Aufwendungen für Miete und Nebenkosten als Betriebsausgabe absetzen.
  • Oder: Das Arbeitszimmer zu Hause ist zwar nicht alleiniger Mittelpunkt der beruflichen Arbeit, wird aber benötigt, weil kein anderer Arbeitsplatz vorhanden ist. Das kann auch bei Angestellten der Fall sein. Typisches Beispiel: Der Lehrer, der einen Schreibtisch braucht, um Arbeiten zu korrigieren und Stunden vorzubereiten, vom Arbeitgeber aber in der Schule dazu keinen Arbeitsplatz zur Verfügung gestellt bekommt. In diesem Fall kann der Arbeitnehmer jährlich bis zu 1.250 € an Kosten für das Arbeitszimmer zu Hause als Werbungskosten geltend machen.

Das heißt andersherum: Auch wer viel abends und am Wochenende zu Hause arbeitet, kann die Kosten für ein Arbeitszimmer nicht geltend machen, wenn in der Firma ein Arbeitsplatz vorhanden ist.

Tipp für die nächste Steuererklärung: Lassen Sie sich diese Ersparnis nicht entgehen!

Viele Angestellte können die Kosten für ein Arbeitszimmer nicht geltend machen, weil der Arbeitgeber einen Arbeitsplatz stellt. Trotzdem können Sie Kosten beispielsweise für Ausstattung Ihrer Arbeitsecke ansetzen: Wenn Sie beispielsweise einen Laptop gekauft haben, den Sie auch für die Arbeit zu Hause nutzen, können Sie die Anschaffungskosten dafür anteilig geltend machen. Wenn Sie den Laptop zum Beispiel zu 50 % beruflich für die Arbeit und zu 50 % privat nutzen, können Sie die Hälfte der Anschaffungskosten bei Ihren Werbungskosten in der Steuererklärung absetzen.

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