Jetzt keine „Apothekenpreise“ mehr?

Preisbindung für rezeptpflichtige Medikamente / Bild: iStock

Preisbindung für rezeptpflichtige Medikamente / Bild: iStock

Europäischer Gerichtshof kippt Preisbindung für rezeptpflichtige Medikamente – plus Tipps fürs Sparen beim Medikamentenkauf

Gesundheit wird immer teurer: Beinahe jährlich steigen die Beiträge zur Krankenversicherung – in diesem Jahr soll es die Privatversicherten besonders hart treffen. Da lässt eine Nachricht aufhorchen:

Der Europäische Gerichtshof hat in einer aktuellen Entscheidung die Preisbindung für rezeptpflichtige Medikamente gekippt. Wird es jetzt billiger, Medikamente zu kaufen? Gehören die sprichwörtlichen „Apothekenpreise“ bald der Vergangenheit an?

Hintergrund: Bislang gilt in Deutschland eine Preisbindung für rezeptpflichtige Medikamente. Das heißt: Der Hersteller, also das Pharmaunternehmen, legt für das Medikament einen Preis fest, zu dem alle Apotheken dieses Präparat einkaufen. Die Apotheken dürfen dann nur einen einheitlich festgeschriebenen Zuschlag erheben. Deshalb kosten rezeptpflichtige Medikamente in allen deutschen Apotheken den gleichen Preis. Diese Preisbindung verstoße gegen EU-Recht, urteilten jetzt die Richter, weil sie Anbietern aus anderen EU-Ländern den Zugang zum deutschen Markt erschwere.

Mögliche Folgen jetzt:

  • Wahrscheinlich ist, dass Versandapotheken jetzt Medikamente billiger im Versand anbieten. „Chronisch kranke Menschen mit einem hohen und regelmäßigen Medikamentenbedarf werden so jährlich um mehrere hundert Euro entlastet“, sagte Olaf Heinrich, Chef der Versandapotheke „DocMorris“ nach dem Urteil gegenüber der Presse.
  • Möglich ist auch, dass der Beitragsanstieg bei den Krankenkassen verlangsamt wird, wenn die Ausgaben für Medikamente sinken.
  • Kritiker befürchten allerdings, dass es zu einem Apothekensterben insbesondere in ländlicheren Gebieten kommen kann, wenn die Patienten Medikamente preiswert im Internet bestellen können.

2 weitere Tipps, um beim Medikamentenkauf zu sparen

Unabhängig von dem Urteil: Es gibt auch so bereits Möglichkeiten, Geld beim Medikamentenkauf einzusparen. Hier sind einige dieser Tipps, mit denen Sie sich von „Apothekenpreisen“ verabschieden können und die schnell ein paar Euros wert sind:

Beim Arzt nachfragen: Wenn Ihnen der Arzt ein Medikament verordnet, müssen Sie zuzahlen: 10 % bzw. mindestens 5 und höchstens 10 €. Das kann schon ins Geld gehen. Was viele aber nicht wissen: Es gibt auch rezeptpflichtige Medikamente, die von der Zuzahlung befreit sind. Fragen Sie Ihren Arzt, wenn er das Rezept schreibt, ob es für Ihre Arznei eine solche zuzahlungsfreie Alternative gibt. Diese Nachfrage nach einer Alternative kann sich auch lohnen, wenn Sie schon eine Weile das gleiche Medikament nehmen, weil die Liste der zahlungsfreien Medikamente häufig geändert und aktualisiert wird.

Auch in der Apotheke können Sie wählen: Wenn Sie rezeptfreie Medikamente kaufen, greifen Sie, wenn möglich, auf Generika zurück. Diese Nachahmerprodukte enthalten den gleichen Wirkstoff wie das Originalprodukt, sind aber deutlich preiswerter. Der einzige Unterschied besteht neben dem Preis häufig in dem Markennamen.

Ein Gedanke zu „Jetzt keine „Apothekenpreise“ mehr?

  1. Julia Jung

    Der Artikel ist sehr informativ. Einzige Ergänzung von mir als pharmazeutisch – technische Assistentin ist, dass der Arzt zwar in seinem System sieht ob bei einem jeweiligen Arzneimittel 5€ oder 10€zu zahlen sind. Nicht aber ob das Medikament von der Krankenkasse ausgetauscht wird. Jede Krankenkassen schließt individuelle Rabattverträge mit den Pharmafirmen. Deswegen nie ein aut idem Kreuz vergessen wenn es genau das Präparat sein soll, da sonst das Apothekenpersonal gezwungen ist dies Arzneimittel gegen den Rabattvertrag der Krankenkasse aus zu tauschen. Das wissen viele Kunden und auch Ärzte nicht und führt in der Praxis meist zu Verärgerung der Kunden. Haben Sie deshalb Verständnis für das Apothekenpersonal. Das Personal macht auch nur Ihre Arbeit.

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