IGeL-Leistungen: Zusatzleistung in aller Regel nicht nötig

Aktuelle Untersuchung zu teuren Selbstzahlerleistungen: Immer mehr Warnungen vor den hohen Ausgaben beim Arzt

IGeL-Leistungen / Bild: iStock

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Haben auch Sie schon einmal beim Arzt für eine Zusatzleistung das Portemonnaie gezückt? Oft geschieht das auf dezenten Rat des Doktors, der Ihnen eine der individuellen Gesundheitsleistungen (IGeL) ans Herz legt, für die Ihre Krankenkasse nicht aufkommt. Beispiele sind etwa:

  • zusätzliche Ultraschalluntersuchung in der Schwangerschaft
  • die professionelle Zahnreinigung beim Zahnarzt
  • der Test zur Früherkennung von Prostatakrebs …

Manche IGeL-Leistungen kosten nur wenige Euro, andere mehrere hundert. Die deutschen Ärzte nehmen dadurch jährlich rund 1 Milliarde zusätzlich ein. Grund genug also, hinzuschauen und nicht allein auf den Arzt zu hören.

Einen kritischen Blick auf die immer beliebteren Zusatzleistungen wirft alljährlich der der Medizinische Dienst des Spitzenverbands Bund der Krankenkassen mit seinem IGeL-Monitor. In diesem Jahr hat der Verband 40 dieser Selbstzahlerleistungen von unabhängigen Experten bewerten lassen um festzustellen, inwiefern die empfohlenen IGeL-Leistungen sinnvoll sind.

Ernüchterndes Ergebnis: Nicht einmal eine einzige der untersuchten individuellen Gesundheitsleistungen bezeichnen die Tester des Verbands als nötig oder unverzichtbar. Schlimmer noch: Einige der Zusatzleistungen werden sogar als schädlich eingestuft, beispielsweise ein Test für die Früherkennung von Prostatakrebs, der zu unnötigen Operationen oder Strahlentherapien führen könne.

2 Tipps: So schützen Sie sich vor unnötigen Selbstzahlerleistungen

  • Nie spontan zusagen! Wenn Ihnen ein Arzt mehr oder weniger drängend eine Zusatzleistung anbietet, die Sie selbst zahlen müssen, bitten Sie um Bedenkzeit. Sagen Sie niemals spontan zu, sondern teilen Sie dem Arzt mit, dass Sie das noch überdenken oder die Ausgabe mit Ihrem Partner besprechen wollen. So haben Sie ausreichend Zeit, sich über die angebotene Leistung und ihren Nutzen zu informieren. Eile ist nie notwendig. Denn bei einer IGeL-Leistung kann es sich nicht um eine dringend angeratene Therapieform handeln, die unbedingt sofort durchgeführt werden muss. Würde es sich um eine akut notwendige Therapie handeln, würde es nicht um eine IGeL-Leistung gehen, sondern um eine von der Krankenkasse gezahlte Behandlung. Deshalb kann eine Bedenkzeit niemals ein Problem darstellen.
  • Beratung einholen! Wenn Sie eine teure individuelle Gesundheitsleistung ins Auge fassen, nachdem Sie sich informiert haben: Lassen Sie sich ausführlich beraten. Holen Sie, wenn möglich, auch die Meinung eines weiteren Arztes ein. Gegebenenfalls bietet auch Ihre Krankenkasse eine Hotline oder Beratung an, die Ihnen Tipps zu Sinn oder Unsinn einer Selbstzehlerleistung geben kann. Am Ende müssen Sie dann selbst entscheiden, ob Sie die angebotene IGeL-Leistung sinnvoll finden.

Extra-Tipp: Bleiben Sie auch als Privatpatient vorsichtig! Sie können nicht davon ausgehen, dass eine IGeL-Leistung von einer privaten Krankenversicherung übernommen wird. Erkundigen Sie sich vorher auf jeden Fall bei Ihrer Versicherung.

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