IGeL-Leistungen in den Praxen auf dem Vormarsch

Teure Arztbesuche: Jeder Dritte greift beim Doktor ins Portemonnaie

IGeL-Leistungen in den Praxen auf dem Vormarsch – Doch Sie können sich vor unnötigen Ausgaben schützen:

Arztbesuche können immer häufiger ins Geld gehen. Denn Deutschlands Ärzte haben immer mehr sogenannte IGeL-Leistungen im Angebot: individuelle Gesundheitsleistungen, deren Kosten nicht von den Krankenkassen übernommen werden.

IGeL-Leistungen in den Praxen auf dem Vormarsch

Foto: iStock

Typische Beispiele für IGeL-Leistungen:

  • die professionelle Zahnreinigung beim Zahnarzt,
  • die Augeninnendruck-Messung zur Früherkennung beim Augenarzt oder
  • die Ultraschalluntersuchung der Eierstöcke zur Krebsvorsorge beim Gynäkologen…

Die Spanne dabei ist groß: Manche Leistung kostet nur wenige Euro, andere mehrere hundert.

Nach einer AOK-Studie hat im vergangenen Jahr bereits jeder dritte Kassenpatient Geld für eine solche IGeL-Leistung beim Arzt gelassen, rund 33 %, im Jahr 2013 waren es noch 29,9 %, so die Studie.

Die Zahlen zeigen: In der Praxis wird vermehrt verkauft. Rund eine Milliarde Euro nehmen die Ärzte durch die bezahlten Zusatzleistungen ein. Verbraucherschützer wie die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, die bereits eine eigene Internetseite zum „IGeL-Ärger“ eingerichtet hat, warnen jedoch:

Die Leistungen sind nur im Einzelfall sinnvoll. Als Beispiel führen die Verbraucherschützer sportmedizinische Untersuchungen, kosmetische Operationen oder psychotherapeutische Leistungen wie Paartherapie an. Oftmals seien die Leistungen aber überflüssig und ihr Nutzen zweifelhaft. Es soll sogar bei manchen Ärzten vorgekommen sein, dass eine Behandlung verweigert wird, wenn der Patient nicht für eine Zusatzleistung zahlt. Beispiel: Mitunter lehnen Zahnärzte es ab, den Zahnstein zu entfernen, wenn der Patient nicht für eine professionelle Zahnreinigung selbst aufkommt, so die Verbraucherschützer.

Tipps: So schützen Sie sich vor unnötigen Ausgaben

  • Wenn Ihnen ein Arzt eine solche IGeL-Leistung anbietet, für die Sie selbst in die Tasche greifen müssen, bitten Sie um Bedenkzeit. Sagen Sie niemals spontan zu, sondern teilen Sie dem Arzt mit, dass Sie das noch überdenken oder die Ausgabe mit Ihrem Partner besprechen wollen. So haben Sie ausreichend Zeit, sich über die angebotene Leistung und ihren Nutzen zu informieren.
  • Beachten Sie dabei immer: Bei einer IGeL-Leistung kann es sich nicht um eine dringend angeratene Therapieform handeln, die unbedingt sofort durchgeführt werden muss. Würde es sich um eine akut notwendige Therapie handeln, würde es nicht um eine IGeL-Leistung gehen, sondern um eine von der Krankenkasse gezahlte Behandlung. Deshalb kann eine Bedenkzeit niemals ein Problem darstellen.
  • Wenn Sie eine teure IGeL-Leistung ins Auge fassen, nachdem Sie sich informiert haben: Lassen Sie sich ausführlich beraten. Holen Sie, wenn möglich, auch die Meinung eines weiteren Arztes ein. Gegebenenfalls bietet auch Ihre Krankenkasse eine Hotline oder Beratung an, die Ihnen Tipps zu Sinn oder Unsinn einer IGeL-Leistung geben kann.
  • Bleiben Sie auch als Privatpatient vorsichtig. Sie können nicht davon ausgehen, dass eine IGeL-Leistung von einer privaten Krankenversicherung übernommen wird. Erkundigen Sie sich vorher auf jeden Fall bei Ihrer Versicherung.

 

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