„Helikoptergeld“: In Japan soll es schon bald Geldgeschenke geben

Geldgeschenke vom Staat für alle Bürger – was dahintersteckt und wie es funktioniert

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Geldgeschenke vom Staat / Bild: iStock

 

In Japan könnte schon bald ein Traum wahr werden, den die Menschen seit langem träumen: Dort soll es bald Geld vom Staat geben – einfach so als Geschenk.

Helikoptergeld wird diese Finanzspritze genannt, die auch hierzulande schon in der Diskussion war. Die Idee dahinter:

Der Staat zahlt seinen Bürgern ohne speziellen Antrag oder Bedingungen eine Geldsumme aus – als Geldgeschenk. Die Hoffnung dabei ist, dass die Beschenkten dann in die Geschäfte gehen, möglichst viel einkaufen und sich so mehr leisten als sonst, um die Wirtschaft anzukurbeln.

Im Frühjahr 2016 war dieses Geld, das wie vom Helikopter abgeworfen wird, auch in der EU im Gespräch. Eine schwedische Bank hatte vorgeschlagen, 1.300 € an alle EU-Bürger zu verteilen. Mehrere Zeitungen berichteten daraufhin, dass Mario Draghi, Chef der Europäischen Zentralbank, die Idee „sehr interessant“ finde.

In Japan werden solche Pläne nun erstmals konkret – wenn auch in kleinerem Umfang. Um den heimischen Unternehmen einen Schub zu geben, bringt die Regierung dort ein großes Konjunkturpaket an den Start, das 28,1 Billionen Yen umfasst – umgerechnet rund 246 Milliarden €. Damit werden unter anderen Steuererleichterungen finanziert, aber eben auch das Helikoptergeld: 22 Millionen Bürger mit geringem Einkommen sollen jeweils umgerechnet 135 € bekommen. Einfach so, als Finanzspritze zwischendurch.

Nicht zu früh freuen!

Allerdings sollten Sie sich nicht zu früh auf ein schönes Geldgeschenk hierzulande freuen. Denn es gibt viele Kritiker, die sich gegen die verlockenden Geldgeschenke des Staates an die Bürger aussprechen. Zwei Beispiele:

  • Der japanische Finanzexperte Richard Koo von Nomura Research befürchtet, dass eine starke Inflation ausgelöst und das Geld letztlich wertlos werden könnte, wenn es vom Himmel geworfen wird.[1]
  • Ähnlich kritisch äußerte sich der bekannte deutsche Ökonom Hans-Werner Sinn, der bis März 2016 Präsident des ifo Instituts für Wirtschaftsforschung war. In einem Gastbeitrag für die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ warnt er davor, dass nach der Auszahlung des Helikoptergeldes „die Inflation außer Rand und Band geraten“ könne.[2]

[1] Andreas Uhlig: Paradox des Helikoptergeldes. Neue Züricher Zeitung, 1.8.2016.

[2] Hans-Werner Sinn: Gefährliches Helikoptergeld. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 31.3.2016.

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