Handy-Sicherheit: Wie gehen Messenger mit Ihren Daten um?

Wie groß ist die Handy-Sicherheit?

Handysicherheit ist ein wichtiges Thema / Bild: George Rudy/Shutterstock

Messenger-Dienste stehen immer wieder im Verruf, Telefonnummern sowie weitere Daten ihrer Nutzer zu speichern und zu Werbezwecken mit anderen Unternehmen auszutauschen. Oft ist es sogar der Fall, dass der Verbraucher gar nicht so genau weiß, welche Rechte er den Diensten mit seiner Benutzung einräumt – denn selten liest dieser vorab AGBs sowie sämtliche Messenger-Datenschutzbestimmungen komplett durch. Aufgrund der ungeklärten Datenweitergabe des Messenger-Dienstes WhatsApp fällte ein Richter jetzt ein Urteil, das für Aufsehen gesorgt hat.

Um was ging es in dem Urteil?

In Bad Hersfeld bekam die Mutter eines elfjährigen Sohnes von einem Richter folgende Aufgabe auferlegt: Sie solle eine schriftliche Einverständniserklärung aller WhatsApp-Kontakte des Kindes einholen und diese dem Gericht vorlegen.

Was war der Grund für das Urteil?

Inwieweit WhatsApp-Daten an Facebook weitergibt, ist nicht bekannt. Grundsätzlich besteht daher die Möglichkeit, dass die Angaben der Kontakte des Kindes ohne deren direkte Zustimmung weitergegeben werden. Ohne eine entsprechende Einverständniserklärung ist dieser Vorgang rechtswidrig und das Kind deshalb dem Risiko von Abmahnungen ausgesetzt.

Des Weiteren hat die Mutter nun die Aufgabe, die Nutzung des Smartphones ihres Sohnes bis zu dessen Volljährigkeit zu überwachen und dieses am Abend an sich zu nehmen.

Stimmen von Experten zu dem Urteil

Grundsätzlich sind Experten von der richterlichen Entscheidung überrascht. Weder Anwälte noch Jugendschützer oder Datenschutzbeauftragte haben davon gehört, dass es jemals zu derartigen Abmahnungen gekommen sei. Der Fachanwalt Thomas Stadler beispielsweise geht nicht davon aus, dass die Rechtsverletzung der Datenweitergabe ohne Zustimmung an den Nutzer übertragen wird. Die Tathandlung selbst würde schließlich durch WhatsApp begangen. Gleichzeitig würden es alle Experten begrüßen, wenn sich durch das Urteil der Druck auf die Messenger-Dienste erhöhe, sodass diese in der Folge mit sensiblen Daten verantwortungsvoller umgehen.

Wie sieht es mit Datenschutz in bekannten Messengern aus?

WhatsApp ist nach wie vor der am häufigsten genutzte Messenger. Daneben gibt es Alternativen wie zum Beispiel Threema oder Signal, die über ganz ähnliche Funktionen verfügen, mit je unterschiedlichen Datenschutzbestimmungen. Alle drei Messenger-Dienste lassen sich sowohl über Android als auch über iOS für das iPhone nutzen.

WhatsApp

Laut Untersuchungen der Stiftung Warentest war der WhatsApp-Messenger aufgrund seiner Datenschutzbestimmungen zunächst sehr umstritten. Im letzten Jahr führte der Messenger dann die sogenannte Ende-zu-Ende-Verschlüsselung ein. Das bedeutet: WhatsApp speichert keine versendeten Nachrichten. Weder der Messenger-Dienst noch Dritte können diese lesen. Mit der Nutzung von WhatsApp akzeptieren Sie jedoch dessen Datenpraktiken: Der Dienst sammelt Informationen und überträgt diese teilweise in die USA sowie in andere Länder der Welt. Sie erkennen ebenso an, dass die Gesetze und Standards der jeweils anderen Länder von den Vorschriften innerhalb Deutschlands abweichen können.

Gut zu wissen: Nutzer des Messenger-Dienstes müssen mindestens 13 Jahre alt sein. Bei Kindern unterhalb dieser Altersgrenze muss ein Erziehungsberechtigter den Bedingungen von WhatsApp zustimmen.

Threema

Hinter dem Messenger-Dienst Threema steht ein Schweizer Unternehmen, welches seinen Nutzern von Anfang an zusichert, dass sämtliche Daten Ende-zu-Ende verschlüsselt übertragen werden. Somit können weder der Betreiber selbst, noch unbefugte Dritte versandte Nachrichten, Bilder oder Videos lesen oder sehen. Absender und Empfänger werden für die Übertragung an einen Server zusätzlich verschlüsselt. Das macht einen Zugriff unbefugter Dritter, beispielsweise über offenes WLAN, unmöglich. Als Nutzer von Threema entscheiden Sie außerdem selbst, ob Sie Ihre Messenger-ID mit einer Telefonnummer oder einer E-Mail-Adresse verknüpfen möchten oder nicht. Threema versichert, Daten zu keinerlei Werbezwecken zu verwenden. Erstellte Verknüpfungen durch den User können jederzeit gelöscht werden.

Signal

Der Name der App Signal, gegründet von Moxie Marlinspike, fällt mittlerweile sehr häufig, wenn es um Handy-Sicherheit und Messenger-Datenschutz geht. Auch bei diesem Messenger-Dienst kommunizieren Sie über eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung. Es war von Anfang an das Bestreben der Software (Open Whisper Systems), die Privatsphäre der User zu schützen und so wenige Daten wie möglich zu sammeln. Populär wurde die App durch Whistleblower Edward Snowden, der den Messenger-Dienst täglich nutzt. Bei einer Überprüfung der Handy-Sicherheitsbestimmungen durch eine Behörde kam tatsächlich heraus, dass der Software lediglich Daten vorliegen, wann ein Account angelegt wurde und wann sich der Nutzer zuletzt mit dem Server verband. Daten, die darüber hinausgehen, beispielsweise wer mit wem kommuniziert, werden von diesem Messenger nicht gesammelt.

Kinder im Internet – Wie kann man sie schützen?

Handysicherheit und Messenger / Bild: Syda Productions/Shutterstock

Problematische Inhalte sowie fragwürdige Datenschutzbestimmungen sind im Internet teilweise weit verbreitet. Betroffen sind davon alle Nutzer. Kinder und Jugendliche sind dem allerdings besonders schutzlos ausgeliefert. Nicht zuletzt liegt das daran, dass sie die Folgen vieler Vorgänge oder unlauterer Angebote nicht korrekt einzuschätzen wissen. Ein Programm namens klicksafe hat es sich daher zum Ziel gesetzt, die sichere Nutzung des Internets durch Kinder und Jugendliche zu verbessern.

klicksafe – EU-Initiative für Handy-Sicherheit

Klicksafe ist eine Initiative zur Förderung der Medienkompetenz von Kindern und Jugendlichen. Sie sollen die positiven Seiten des Internets aufgezeigt bekommen, jedoch auch lernen, wie sie einen kritischen Umgang mit Inhalten pflegen, die im Netz verbreitet sind. Dazu bietet klicksafe:

  • Wertvolle Tipps für Eltern
  • Unterrichtsmaterialien für Lehrkräfte, beispielsweise Spots/Erklärfilme
  • Hotlines als Internetbeschwerdestellen, zum Beispiel um illegale Inhalte im Netz zu melden
  • Helplines als Beratungsstellen für Kinder, Jugendliche, Eltern sowie Pädagogen

Im Rahmen des Grimme-Online-Awards zeichnete klicksafe das Medienkompetenzspiel Junait mit einem Preis aus. Das Spiel ist kostenlos und für Kinder zwischen acht und zwölf Jahren geeignet. Während des Spiels chatten Kinder im Internet mit Freunden wie in einem gewöhnlichen Chat, müssen dabei allerdings Virenmails, falsche Einstellungen der Privatsphäre oder fremde Personen entschärfen. Dabei lernen sie, sich in der digitalen Welt eigenverantwortlich aufzuhalten und sind gegen mögliche Gefahren gewappnet.

Weitere Maßnahmen und Regeln zur sicheren Internet-Nutzung finden Sie in unserem Blogbeitrag Kinder, Internet und ein effektiver Schutz.

Schreibe einen Kommentar