Erben und Vererben

Erben & Vererben

Erben und Vererben – Wie viel Steuern können anfallen? Foto: iStock

Arbeiten Sie fürs Finanzamt – oder doch lieber für Ihre Familie? Diese Frage sollten Sie sich jetzt stellen: Denn wer nicht schon zu Lebzeiten seinen Nachlass regelt, löst unter Umständen hohe Steuerzahlungen der Erben aus. So wird das Vererben schnell zum bürokratischen Kraftakt – oder sogar eine Enttäuschung für die Erben Mit den folgenden Tipps gönnen Sie sich das gute Gefühl, alles optimal geregelt zu haben.

Wie viel Steuern können anfallen?

Wer erbt oder einen Geldbetrag geschenkt bekommt, muss dafür Steuern zahlen. Wie hoch die Zahlungen sind, bestimmt die Steuerklasse und die Höhe des Erbes bzw. der Schenkung.

Je größer der Betrag, desto höher der Steuersatz. Ehepartner, Kinder, Stiefkinder, Enkel und Urenkel zahlen mit der Steuerklasse I am wenigsten. In der Steuerklasse II wird es schon teurer. Und zwar für Geschwister, Nichten und Neffen, Stiefeltern, Schwiegereltern, -söhne und -töchter, genau wie für geschiedene Ehegatten. Freunde und Lebensgefährten fallen in die Steuerklasse III und zahlen am meisten Erbschaftsteuer.

Die Steuerklassen und Freibeträge im Überblick

Steuerklasse Personenkreis Allgemeiner Freibetrag Besonderer Versorgungs-Freibetrag (im Erbfall) Freibetrag für Hausrat (im Erbfall) Freibetrag für pers. Güter (im Erbfall)
I Ehegatten, Eingetragene Lebenspartner 500.000  256.000 41.000 12.000
I Kinder, Stiefkinder, Adoptivkinder, Kinder verstorbener Kinder 400.000 10.300 bis 52.000 (bis zum 27. Geburtstag gestaffelt) 41.000 12.000
I Kinder nicht verstorbener Kinder 200.000 entfällt 41.000 12.000
I Eltern und Großeltern (im Erbfall) 100.000 entfällt 41.000 12.000
II Eltern und Großeltern (im Schenkungsfall), 20.000 entfällt 12.000
Geschwister, Nichten, Neffen, Stiefeltern, Schwiegerkinder und -eltern, geschiedene Ehegatten
III Onkel, Tanten, Freunde, Lebensgefährten 20.000 entfällt 12.000

Von Bedeutungen für den Fiskus ist also, in welcher Steuerklasse sich der Erbe befindet und wie hoch der Betrag ist, der vererbt oder geschenkt werden soll. Außerdem ist der steuerliche Freibetrag zu beachten.

Vermögenswert Steuerkl. I Steuerkl. II Steuerkl. III
bis 75.000 EUR 7% 30% 30%
bis 300.000 EUR 11% 30% 30%
bis 600.000 EUR 15% 30% 30%
bis 6.000.000 EUR 19% 30% 30%
bis 13.000.000  EUR 23% 50% 50%
bis 26.000.000 EUR 27% 50% 50%
über 26.000.000 EUR 30% 50% 50%

Schenkungen im Wege der sog. vorweggenommene Erbfolge

Ein Weg, um Steuern zu sparen, sind Schenkungen zu Lebzeiten. Aber diese Idee hat auch ihre Tücken:

Der Wert von Schenkungen bis ein Jahr vor dem Tod des Erblassers werden dem Erbe komplett zugeschlagen. Geschenke zwei Jahre vor dem Tod nur noch zu 90 Prozent, Geschenke drei Jahre vor dem Tod zu 80 Prozent usw. – jedes Jahr also zehn Prozent weniger. Geschenke, die zehn Jahre zurückliegen, werden nicht mehr dem Erbe zugeschlagen. Wer langfristig denkt, kann also am meisten Steuern sparen sparen. Aber:

Experten warnen vor übereilten Schenkungen. Der Steueraspekt sollte keinesfalls der alleinige Grund sein. Denn die Steuern spart nicht der Erblasser, sondern nur der Erbe. Zudem sollte man die Absicherung fürs Alter nicht aus den Augen verlieren. Krankheiten oder auch der Aufenthalt in einem Pflegeheim können teurer werden als erwartet.

Die Vererbung einer Immobilie kann unter bestimmten Voraussetzungen gänzlich steuerfrei sein: Wenn Sohn, Tochter oder Ehepartner in der geerbten Immobilie wohnen, geht der Staat leer aus. Dafür muss der Erbe aber mindestens zehn Jahre lang darin leben und darf die Immobilie in dieser Frist weder verkaufen, vermieten noch verpachten. Der Wert der Immobilie spielt keine Rolle. Allerdings gibt es die Beschränkung, dass bei Kindern die Wohnfläche nicht größer als 200 Quadratmeter sein darf. Wohnen die Erben nicht in dem geerbeten Haus oder der Wohnung, gelten auch beim Vererben von Immobilien die genannten Regeln und Freibeträge wie bei anderen Vermögenswerten.

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