Erben in Deutschland

Laut einer Studie für die Hans-Böckler-Stiftung erben Hinterbliebene in Deutschland in den kommenden 15 Jahren rund ein Viertel mehr, als in vorhergehenden Studien erwartet.

Erben in Deutschland / Bild: Daniel Jedzura/Shutterstock

Erben in Deutschland / Bild: Daniel Jedzura/Shutterstock

Das Erbvolumen soll sich entsprechend auf rund 400 Milliarden Euro pro Jahr belaufen. Zur Feststellung wurden neben dem aktuellen Vermögen ebenso Effekte der Wertsteigerung sowie des Sparens berücksichtigt.

Inhalte der Studie

Die Stiftung zog für die Studie das Vermögen der 70-Jährigen in Deutschland im Jahr 2012 heran. Daraus lässt sich auf folgende Ergebnisse schließen:

  • Für die kommenden 15 Jahre könnte sich das Erbvolumen potenziell auf insgesamt 1,31 Billionen Euro belaufen.
  • Auf das einzelne Jahr gerechnet ist das eine Summe von 87 Milliarden Euro.

Kalkuliert man den Spareffekt und eine Wertsteigerung des Vermögens von 2 Prozent ein, lässt sich mit folgenden Zahlen rechnen:

  • Das gesamte Volumen steigt auf insgesamt 112 Milliarden Euro pro Jahr.
  • Das potenzielle Erbvolumen der gesamten Bevölkerung beläuft sich somit auf 400 Milliarden Euro pro Jahr.
  • Demzufolge übertrifft das kalkulierte Erbvermögen das reine Vermögen deutlich. Es beläuft sich auf rund ein Viertel mehr, als in früheren Studien erwartet.

Im Jahr 2015 besaßen private Haushalte ein Nettovermögen von 11,2 Billionen Euro, das sich aus verschiedenen Posten zusammensetzt:

  • Geldvermögen
  • Immobilienvermögen
  • Betriebsvermögen

Ein Teil dieses Besitzes wird an nachfolgende Generationen weitergegeben, entweder in Form einer Erbschaft nach dem Tod oder als Schenkung. Das Statistische Bundesamt verfügt nur über Zahlen zu Erbvolumina, die versteuert werden mussten. Danach belief sich das Vermögen aus Erbschaft und Schenkung im Jahr 2014 auf 108,8 Milliarden Euro. Wie viel tatsächlich vererbt oder verschenkt wurde, lässt sich nicht exakt bestimmen: Nicht einrechnen kann man zum einen Vermögenswerte, die aufgrund hoher Freibeträge nicht zu versteuern sind. Zum anderen ist nicht nachvollziehbar, welche Summen an steuerlich begünstigte Organisationen fließen.

Hat das gesteigerte Erbvolumen Auswirkungen?

Auswirkungen des Erbvolumens / Bild: Jochen Netzker/Shutterstock

Auswirkungen des Erbvolumens / Bild: Jochen Netzker/Shutterstock

Laut einem Bericht des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) und des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) ist unklar, ob das gestiegene Erbvolumen ebenso zu einem steigenden Aufkommen aus Erbschafts- und Schenkungssteuer führt. Das liegt daran, dass die Freibeträge (Beträge für die keine Steuern anfallen) in Deutschland relativ hoch sind. Insgesamt nehmen die staatlichen Einnahmen aus Erbschaft und Schenkung nur rund ein Prozent ein. Im Jahr 2016 waren das insgesamt 7 Milliarden Euro. Bis zum Jahr 2021 rechnen Experten allerdings damit, dass die Einnahmen um 13,5 Prozent sinken werden.

DIW und WSI empfehlen aus diesem Grund, die aktuellen Regelungen zur Erbschaftssteuer zu überdenken. Noch herrscht Unstimmigkeit über das weitere Verfahren: Während CSU/CDU sowie FDP einer solchen Prüfung ablehnend gegenüberstehen, plädieren Linke und Grüne dafür.

Das Erbrecht – Was gilt es beim Erben in Deutschland zu beachten

Grundlagen zur Erbschaftssteuer

  • Die Rechtsgrundlage für die Erbschaftssteuer ist das Erbschafts- und Schenkungssteuergesetz (ErbStG).
  • In Deutschland gibt es zwei unterschiedliche Szenarien der Erbfolge:
    • Gesetzliche Erbfolge: Dieser zufolge werden gemäß eines speziellen Ordnungssystems ausschließlich Angehörige des Verstorbenen mit einem Erbteil berücksichtigt.
    • Gewillkürte Erbfolge: Dabei handelt es sich um eine Verfügung von Todes wegen, die der Erblasser in Form eines Testaments hinterlässt. Im Rahmen der sogenannten Testierfreiheit legt der Testator fest, welchen Personen er welchen Teil des Vermächtnisses vererben möchte. Formvorschriften oder Bestimmungen bezüglich des Pflichtteils sind im Bürgerlichen Gesetzbuch geregelt.
  • Personen, die zur Erbfolge berufen werden, können entscheiden, ob sie den Nachlass annehmen oder diesen ausschlagen, zum Beispiel wenn sie damit ausschließlich Schulden erben würden.
  • Die Erbschaftssteuer wird im Falle eines Erbes erhoben, indem der Nachlass um den jeweiligen Steuersatz reduziert wird.
  • Zahlen muss grundsätzlich jeder Erbe in Deutschland, der zur Einkommenssteuer verpflichtet ist. Ausnahme: Der Freibetrag ist höher als das Erbe.

Berechnung der Erbschaftssteuer

Es gibt in Deutschland drei Steuerklassen, die vom Verwandtschaftsgrad abhängig sind:

Steuerklasse Verwandtschaftsgrad
I  Ehe- und Lebenspartner, Kinder, Enkelkinder, Stief- und Adoptivkinder, Eltern und Großeltern
II Ehemalige Ehepartner, Geschwister und deren Kinder, Stiefeltern sowie Schwiegerkinder
III Nicht verwandte Erben

Je nachdem, unter welche Steuerklasse der Erbe fällt, greifen unterschiedliche Steuersätze und Freibeträge. Grundsätzlich gilt: Je näher das Verwandtschaftsverhältnis, desto höher die Freibeträge und desto niedriger die Steuersätze.

Ein Gedanke zu „Erben in Deutschland

  1. Hans Klabautermann

    Dürftiger Beitrag – keine Handlungsempfehlungen – kein Hinweis auf sinnvolle Informationen, z. B auf den „Erbschaftsblock“ der Volks- und Raiffeisenbanken.

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