Der Verstoß gegen die eBay Richtlinien kann teuer werden

Aktuelles Urteil zeigt: Wer einen Glückskauf bei eBay landet, kann auf sein Recht pochen – selbst als Abbruchjäger

Scheingebote bei eBay / Bild: iStock

Scheingebote bei eBay / Bild: iStock

Wer häufig bei der Internet-Auktionsplattform auf Jagd nach Ebay Schnäppchen geht, hat es mindestens schon einmal erlebt:

Sie geben auf einen Artikel als Einziger ein Gebot ab. Alles sieht danach aus, dass Sie zum Mindestgebot von vielleicht nur 1 € zum Zug kommen und ein echtes Ebay Schnäppchen machen. Doch kurz vor Ende der Auktion kommt doch noch ein anderer Bieter, der einen höheren Preis stellt. Sie erhöhen noch einmal. Doch auch der andere geht mit. Und irgendwann bieten Sie dann doch einen hohen Preis, um noch zu gewinnen …

Meist dürfte es dabei mit rechten Dingen zugehen: Ein anderer Interessent hat den Artikel entdeckt und beginnt mitzubieten. Aber immer wieder beschleicht einen dann auch ein Verdacht: Könnte es etwa der Verkäufer sein, der dort mit einem anderen Account selbst geboten hat, um den Preis nach oben zu treiben und um zu vermeiden, dass er seinen Artikel für den Ebay-Mindestpreis von einem Euro abgeben muss?

Die Auktion kurz vor Ende abzubrechen, weil der Preis nicht hoch genug ist – das ist in der Regel nicht möglich. Da kommt man als Verkäufer auf die Idee, den Preis selbst durch Scheingebote hochzutreiben – auch wenn das nicht den Ebay Richtlinien entspricht.

Wer Opfer von solchen Scheingeboten ist und deshalb ein günstiges Ebay Schnäppchen verpasst, hat jetzt gute Karten, eine Entschädigung zu bekommen. Das ist die Konsequenz aus einem aktuellen Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH).

Abbruchjäger bekommt Schadenersatz für Scheingebot

In dem Fall ging es um einen VW Golf. Der Kläger hatte 1,50 € für den Gebrauchtwagen geboten, der erheblich mehr wert war. Als sich gegen Ende der Auktion kein weiterer Bieter gefunden hatte, war der Verkäufer mit einem anderen Account selbst als Bieter aufgetreten und hatte den Preis auf 17.000 € hochgetrieben. Der ursprüngliche Bieter, der Verdacht geschöpft hatte, forderte den Wagen zu seinem günstigen Einstiegspreis und klagte, als der Verkäufer sich weigerte. Der BGH sprach ihm jetzt Schadenersatz in Höhe des Autowerts von 16.500 € zu.

Interessanter Aspekt des Urteils: Das Gericht sprach dem Käufer den Schadenersatz zu, obwohl es sich offenbar um einen sogenannten Abbruchjäger handelte. Das sind Käufer, die gezielt bei auf der Suche nach teuren Artikeln sind, die noch für Mindestgebote deutlich unter Wert in der Auktion stehen. Der Abbruchjäger spekuliert dann darauf, dass der Verkäufer die Auktion abbricht, sich also entgegen den Ebay-Richtlinien verhält, und fordert in diesem Fall Schadenersatz.

Trotz dieses umstrittenen Verhaltens hat das Gericht dem Käufer in dem Fall mit dem Gebrauchtwagen den Schadenersatz zugesprochen. Das heißt: Als Käufer sind Sie geschützt und können darauf pochen, den günstigen Preis zu bekommen, wenn Sie bei einer Auktion mal einen Glückstreffer landen und ein Ebay Schnäppchen weit unter Wert ersteigert haben.

Schreibe einen Kommentar