Die schöne neue Sharing-Welle: Auch der Vermieter und Beamte wollen mitreden

Was Sie alles teilen und leihen können – und wo die Risiken sind

Hotel buchen? Eine Bohrmaschine selbst kaufen? Ein eigenes Auto kaufen? Für immer mehr Menschen klingt das hoffnungslos veraltet.

Leihen statt kaufen, ist die neue Devise. Nicht jeder muss ein eigens Auto besitzen – Leihen und Teilen sind angesagt. Manch einer spricht gar schon von der neuen „Sharing Economy“ – von einem neuen System, in dem Waren und Dienstleistungen nur noch bei Bedarf geliehen bzw. geteilt werden. Immer mehr Portale, die nicht nur Zimmer und Autos vermitteln, sprießen wie Pilze aus dem Boden: Kleider für das Fest, Werkzeug für die Renovierung, Camcorder für den Urlaub – beinahe alles kann geteilt oder geliehen werde.

Die Vorteile liegen auf der Hand

  • Kostenvorteil: Wer nur hin und wieder ein Auto braucht, kann sich den Unterhalt und die Anschaffungskosten sparen, wenn er nur bei Bedarf einen fahrbaren Untersatz beim Carsharing ausleiht.
  • Einnahmen: Und wer seinen eigenen Wagen oder das Zimmer in der Wohnung nicht braucht, kann es an Touristen vermieten, so ein paar Euro verdienen und vielleicht auch noch nette Leute aus der ganzen Welt kennenlernen.

Doch es gibt in der schönen neuen Sharing-Welt auch Risiken und Schattenseiten, die jeder kennen sollte. Hier sind ein paar der Punkte, auf die Kritiker hinweisen.

Nicht immer sind die Leih- und Teilangebote ein Schnäppchen

Manchmal kann beispielsweise die über ein Sharing-Portal gebuchte Übernachtung genauso teuer sein wie das Hotel oder ein Pensionszimmer. Nach den Zahlen der Zeitschrift „WirtschaftsWoche“ werden etwa bei „Airbnb“, dem Marktführer unter den Sharing-Übernachtungs-Vermittlern, rund 70 % aller Zimmer und Wohnungen von Profivermietern angeboten. Und nur rund 30 % von Privatanbietern. Das heißt: Die meisten Zimmer gibt oder gab es auch ohne „Airbnb“ schon zu mieten. Die meisten Angebote sind also von Kleinpensionen.

Finanzamt und Vermieter nicht vergessen!

Verlockend ist für viele auch der Gedanke, selbst mitzumachen: Wer sein eigenes Auto nicht braucht, kann es teilen. Wer häufig unterwegs ist oder ein Zimmer in der Wohnung frei hat, kann an Touristen vermieten und sich so ein paar Euros zusätzlich verdienen …

Hier vergessen viele in der Euphorie, dass dann auch der Vermieter und vielleicht auch das Finanzamt ein Wörtchen mitreden wollen. Die größte Gefahr:

Wer ein Zimmer bei Sharing-Plattformen anbietet, ohne vorher die Erlaubnis des Vermieters einzuholen, dem droht die fristlose Kündigung. Die kurzfristige Vermietung von Zimmern oder Wohnungen gilt nicht als Untervermietung, die ein Vermieter nur mit besonderen Gründen untersagen kann. Nach Ansicht der Gerichte handelt es sich um eine Zweckentfremdung von Wohnraum. Wer also Mieter und nicht selbst Eigentümer der Wohnung ist, sollte unbedingt ein Einverständnis des Vermieters einholen, bevor er sein Zimmer auf einer Sharing-Plattform anbietet und tageweise an Touristen vermietet.

Hinzu kommt:

Die Finanzämter wollen verstärkt ein Auge auf die private Zimmer- und Wohnungsvermietung werfen. Fallen Gewinne an, werden dafür auch Steuern fällig. Wer Angebote im Internet macht, muss verstärkt damit rechnen, dass die Finanzämter mitlesen und gegebenenfalls Abrechnungen und Belege sehen wollen, aus denen die Höhe der Einnahmen hervorgeht.

Schreibe einen Kommentar