Der Wirtschaftsstandort Deutschland für ausländische Unternehmen

Die Attraktivität des Wirtschaftsstandortes Deutschland

Wirtschaftskraft in Deutschland / Bild: Matej Kastelic/Shutterstock

Deutschland ist als Wirtschaftsstandort ein sehr bedeutendes Land: Fast ein Viertel des europäischen Bruttoinlandsprodukts wird hier erwirtschaftet. Es ist weltweit bekannt für eine sehr gute Infrastruktur, hervorragend ausgebildete Fachkräfte, technologische Innovationen sowie erstklassige Lebensqualität. Dabei gibt es einige Standorte, an denen sich Unternehmen bevorzugt niederlassen.

Die Standortwahl der Unternehmen

Deutschland ist sowohl für inländische als auch ausländische Unternehmen als Wirtschaftsstandort attraktiv. Investoren entscheiden sich dabei aber in erster Linie für deutsche Metropolen. Ländliche Regionen sind weniger interessant. Das liegt zum einen daran, dass potenzielle Arbeitskräfte diese Gebiete mit weniger Lebensqualität verbinden. Zum anderen ist die Infrastruktur oft noch nicht so gut erschlossen. Spitzenreiter laut einer Studie von Ernst & Young waren im letzten Jahr folgende Wirtschaftsstandorte mit einer hohen Anzahl an neuen Unternehmen:

Bundesland & Neuansiedlungen im Jahr 2016
Nordrhein-Westfalen: 244 Unternehmen
Baden-Württemberg: 232 Unternehmen
Bayern: 194 Unternehmen

Was die Schaffung neuer Arbeitsplätze angeht, steht Bayern an erster Stelle. Hier fanden insgesamt 5.138 Berufstätige im Jahr 2016 erstmalig eine Anstellung. Zum Vergleich:

  • In Nordrhein-Westfalen lag die Zahl bei 4.193 Arbeitsplätzen
  • In Baden-Württemberg waren es 1.352 Anstellungen

Bezogen auf einzelne Metropolen ist die bayerische Hauptstadt besonders erfolgreich. Im vergangenen Jahr haben in München insgesamt 111 ausländische Firmen investiert. An zweiter Stelle steht Düsseldorf (98 Direktinvestitionen) gefolgt von Berlin (97 Investitionen). Laut einem der Autoren der Studie, Bernhard Lorentz, ergibt sich die Attraktivität Bayerns aus folgenden Merkmalen:

  • Hoch qualifizierte Fachkräfte
  • Enormes industrielles Aufkommen
  • Wirtschaftsnahe Forschungseinrichtungen

Die wichtigsten Branchen in Deutschland

Zu den wichtigsten Branchen innerhalb Deutschlands zählen die Folgenden:

  • Chemie
  • Elektrotechnik
  • Automobilindustrie
  • Dienstleistungen

Beispiele für Firmenneuansiedlungen

Die wichtigsten Branchen / Bild: Christoph Lischetzki/Shutterstock

Laut Fabian Schuster, einem Mitautor der Analyse von Ernst & Young haben sich beispielsweise in Nordrhein-Westfalen insbesondere im Maschinenbau, der Elektroindustrie, der Chemie sowie der Ernährungswirtschaft neue Unternehmen angesiedelt. Der Hersteller von Tiernahrung, Bridge PetCare kommt aus China sowie Norwegen und besitzt jetzt zusätzlich eine Fabrik in Düsseldorf. Dort hat sich mittlerweile ebenso die China Energy Reserve and Chemivals Group niedergelassen. Sowohl Amazon als auch Decathlon investierten mit rund 26 Millionen Euro in Standorte an Rhein sowie Ruhr.

Wird der Wirtschaftsstandort Deutschland vom Brexit profitieren?

Auch in London gab es 2016 vergleichsweise viele Neuansiedlungen. Hier lag die Zahl bei insgesamt 444 Unternehmen. Das kann sich mit dem Brexit allerdings ändern. Experte Lorentz geht davon aus, dass das Image der englischen Hauptstadt unter dem geplanten Austritt aus Europa gelitten hat. Er vermutet, dass insbesondere bei einem harten Brexit weniger Unternehmen London als zukünftigen Standort in Betracht ziehen. Ein harter Brexit, das würde einen klaren Bruch mit Brüssel bedeuten: Die Briten treten aus der Europäischen Union, dem Binnenmarkt sowie der Zollunion aus. Möglich ist, dass der Wirtschaftsstandort Deutschland dann umso attraktiver wird. Deutschland hat zum einen sehr viele Städte, die unter den Top 20 sind, was Lebensqualität angeht. Zum anderen werden Unternehmen dann die optimale Lage Deutschlands inmitten Europas nutzen, wenn sie in London keinen Zugang zum europäischen Binnenmarkt mehr haben.

Die zukünftige Wirtschaftslage Deutschlands

Nach der Analyse von Ernst & Young bleibt die Attraktivität des Wirtschaftsstandortes Deutschlands erhalten oder steigt in den kommenden Jahren sogar noch. Unternehmen aus dem Ausland lassen sich vor allem in Metropolen nieder. Diese Entwicklung versucht die deutsche Politik mithilfe gezielter Maßnahmen voranzutreiben. Dazu gehören zum Beispiel Steuererleichterungen, mit denen sowohl deutsche als auch ausländische Unternehmen im Inland gehalten oder nach Deutschland geholt werden sollen. Wichtig ist laut Lorentz dabei, auf die zunehmenden Unterschiede zwischen städtischen und ländlichen Gebieten zu reagieren. Konkret kann das gelingen, indem die Vorteile ländlicher Regionen für Unternehmen kommuniziert werden. Dazu gehören zum Beispiel:

  • Günstigere Kauf- und Mietpreise für Fabrikhallen oder Bürogebäude
  • Geringere Gewerbesteuer
  • Verbundenheit der Mitarbeiter mit ihrer Heimat führt zu einem überdauernden Stamm an Arbeitskräften
  • Niedrigere Lohnkosten

An einem Beispiel in Thüringen sieht man, wie das funktionieren kann: In Ichtershausen (Nähe Erfurt) hat das österreichische Möbelhaus XXXLutz ein Logistikzentrum eingerichtet. 400 Arbeitskräfte kümmern sich dort nun um die Abwicklung des Onlinehandels.

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