Altersarmut in Deutschland? Reicht die gesetzliche Rente zum Leben?

Altersarmut – Mythos oder Realität?

Zufrieden auf das Leben blicken / Bild: ESB Professional/Shutterstock

Es ist ein unliebsames Thema und doch kommt niemand umhin, sich damit zu befassen: Die Rente sowie alle Assoziationen, die mittlerweile damit verbunden sind. Bin ich einmal von Altersarmut betroffen? Bis zu welchem Alter muss ich überhaupt berufstätig sein? Genügt die gesetzliche Rente zum Leben im Alter oder sollte ich nicht doch besser zusätzlich vorsorgen?

 

Die aktuelle Situation der Rentner

Ein Team der katholischen Stiftungsfachhochschule München wollte wissen, wie es älteren Bürgern in Deutschland geht und befragte dazu 4.000 Menschen zwischen 65 und 85 Jahren. Hier die Ergebnisse der Studie:

  • Die Befragten blicken größtenteils zufrieden auf ihr Leben.
  • Als Hauptgründe nennen sie dafür zum einen, dass sie sich materiell gut abgesichert fühlen. Zum anderen, dass sie über einen guten Gesundheitszustand verfügen.

Jetzige Rentner stehen im Durchschnitt finanziell relativ gut da: Laut Angaben des Sozialministeriums sind aktuell nur drei Prozent der Menschen über 65 Jahren auf Grundsicherungsleistung angewiesen. Darunter versteht man eine Sozialleistung, die im Alter sowie bei Erwerbsminderung in Anspruch genommen werden kann, wenn die Rente allein nicht ausreicht, um den Lebensunterhalt zu bestreiten. Diese umfasst einen Betrag von rund 780 € pro Monat.

2015 verfügte ein pensioniertes Ehepaar durchschnittlich über ein Nettoeinkommen von rund 2.600 € und war insofern nicht auf Leistungen der Grundsicherung angewiesen. Wie hoch allerdings die Dunkelziffer jener Rentner ist, die Anspruch auf eine solche hätten, diese jedoch aus Scham nicht beantragen und entsprechend in der Studie nicht erfasst sind, ist unklar.

Zukünftige Altersarmut?

Trotzdem warnen zahlreiche Politiker sowie Gewerkschafter vor den hohen Risiken einer steigenden Altersarmut. Wie kann das sein? Tatsächlich zeigen die Ergebnisse einer Studie der Bertelsmann-Stiftung, dass die Altersarmut in den nächsten 20 Jahren steigen wird. Besonders betroffen sind:

  • Menschen ohne Berufsausbildung
  • Alleinstehende Frauen
  • Langzeitarbeitslose

Die Ergebnisse der Studie

Ab dem Jahr 2022 gehen besonders geburtenstarke Jahrgänge in Rente. Eine Prognose besagt, dass bis 2036 nicht mehr nur drei, sondern bereits sieben Prozent auf Grundsicherungsleistungen angewiesen sein werden. Das würde einem Anstieg von über 25 Prozent entsprechen. Auch was die Altersarmut betrifft, soll dann jeder fünfte Deutsche davon betroffen sein. Konkret bedeutet das, dass diese Menschen weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens (1.570 € im Jahr 2015) zur Verfügung haben.

Warum sind immer mehr Menschen armutsgefährdet?

In Deutschland gibt es in Bezug auf die Renten einen sogenannten Generationenausgleich. Dieser soll die Beiträge jüngerer Menschen zur Rentenversicherung stabil halten. Das Rentenniveau wird gesenkt mit dem Ziel, dass die Versorgung stabil bleibt, trotz der Tatsache, dass zunehmend weniger junge Menschen die Renten einer steigenden Anzahl an älteren Personen übernehmen müssen. Eine Senkung des Rentenniveaus hat zur Folge, dass Löhne langfristig stärker steigen als Bezüge aus der Rente.

Wichtigkeit der Privaten Altersvorsoge

Die private Altersvorsorge ist wichtig / Bild: goodluz/Shutterstock

Auch weiterhin wird die gesetzliche Rente die Haupteinkommensquelle mit einem Anteil von rund 63 Prozent bleiben. Die Ergebnisse zeigen jedoch, wie wichtig private Altersvorsorge ist, um nicht doch auf Grundsicherungsleistungen angewiesen zu sein. Und so haben sich gleichermaßen die meisten der oben genannten zufriedenen Bundesbürger mit verschiedenen Möglichkeiten privat abgesichert:

Riester-Rente

Die Riester-Rente ist eine Möglichkeit der Altersvorsorge, die zusätzlich vom Staat unterstützt wird. Hier haben Sie die Wahl:

 

Förderung durch

 

 

In Form von…

 

Zulagen

 

 

–  Berufseinsteigerbonus: 200 € höhere Grundzulage für das erste Jahr, wenn Sie den Vertrag vor Ihrem 25. Lebensjahr abschließen.

–  Grundzulage: Bis 2017 154 € (ab 2018 beläuft sich der Betrag auf 175 €).

–  Kinderzulage: Für Kinder, die vor 2008 zur Welt kamen 185 € im Jahr. Für Kinder, die nach 2008 geboren sind 300 €.

 

 

Steuervorteile

 

 

Sonderausgabenabzug

Das heißt: Sparer können eingezahlte Riester-Beiträge steuerlich geltend machen.

 

Wer hat die Möglichkeit, eine Riester-Rente abzuschließen?

  • Arbeitnehmer, die rentenversicherungspflichtig sind
  • Selbstständige, die rentenversicherungspflichtig sind
  • Bezieher von Arbeitslosen- oder Krankengeld
  • Geringfügig Beschäftigte
  • Beschäftigte im öffentlichen Dienst
  • Empfänger von Vorruhestandsgeld

Rürup-Rente

Die Rürup-Rente ist eine besondere Form der privaten Altersvorsorge, die sich speziell an Selbstständige richtet. Beiträge, die Sie in die Rentenversicherung einzahlen, sind dann bis zu einem Betrag von 84 Prozent steuerlich anrechenbar.

Klassische Rentenversicherung

Teilnehmer der klassischen Rentenversicherung zahlen jeden Monat einen bestimmten Betrag in die Versicherung ein. Daraus ergibt sich ein Kapital, das verzinst wird. Dieses bekommen Sie im Rentenalter ausgezahlt. Und zwar nicht nur, bis es verbraucht ist, sondern so lange Sie leben.

Fondsgebundene Rentenversicherung

Bei dieser Form der Altersvorsorge investieren Sie in verschiedene Fonds. Diese erwirtschaften durch Anlagen Erträge, beispielsweise durch Aktien. Dabei haben Sie die Möglichkeit, höhere Renditen einzufahren, tragen jedoch gleichzeitig auch entsprechende Risiken.

Betriebliche Altersvorsorge

Mit der betrieblichen Altersvorsorge finanzieren Sie eine Zusatzrente über den Arbeitgeber. Dabei gibt es zum einen die Möglichkeit der arbeitgeberfinanzierten Betriebsrente, bei der Ihr Arbeitgeber die Beiträge allein übernimmt. Zum anderen haben Sie die Option der sogenannten arbeitnehmerfinanzierten Betriebsrente, bei der Sie zusätzlich zum Arbeitgeber einen bestimmten monatlichen Betrag einzahlen. Der Vorteil: Die Beiträge gehen von Ihrem Bruttogehalt ab. Aus diesem Grund fallen dafür keine Steuern und Sozialabgaben an.

Zusätzliche Informationen über verschiedene Altersvorsorge-Modelle entnehmen Sie unserem Blog-Beitrag zum Thema Rechtzeitig für den Lebensabend vorsorgen: Wieso ist eine betriebliche oder private Altersvorsorge wichtig?

Fazit

Grundsätzlich macht es durchaus Sinn, schon in jungen Jahren finanzielle Mittel aus der Erwerbstätigkeit für den späteren Ruhestand in eine lukrative private Altersvorsorge zu investieren. Das sichert Sie im Rentenalter ab und ermöglicht es Ihnen, den Lebensstandard auch ohne geregeltes Einkommen halten zu können. Mit einer entsprechenden finanziellen Absicherung sollten Sie keine Sorgen haben, auf Grundsicherung angewiesen zu sein oder gar in die Altersarmut abzurutschen. Somit bleibt genug Zeit, sich mit den schönen Dingen des Lebens zu beschäftigen.

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