Steuererklärung 2015: Was fällt unter zumutbare Belastung und was unter außergewöhnliche Belastung?

Wie Sie in der jetzt anstehenden Steuererklärung für 2015 außergewöhnliche Belastungen geltend machen – wichtig dabei: In einem aktuellen Urteil hat der Bundesfinanzhof die Grenzen festgemeißelt!

Haben Sie im vergangenen Jahr eine teure medizinische Behandlung gehabt, die von Ihrer Krankenkasse nicht komplett übernommen wurde? Oder mussten Sie einen Angehörigen finanziell unterstützen? Solche und ähnliche Fälle von unerwarteten und oft großen Ausgaben können immer wieder unangenehme Löcher in die eigene Finanzplanung reißen. Wegen des Ärgers vergessen dabei viele:

Oft können Sie die Ausgaben bei der Steuer geltend machen und so wenigstens einen Teil über die Steuerersparnis als Trostpflaster zurückholen. Dazu sollten Sie die Begriffe „außergewöhnliche Belastung“ und „zumutbare Belastung“ kennen. Manch einer hatte gehofft, dass die zumutbare Eigenbelastung abgeschafft wird, doch ein aktuelles Urteil hat die jetzt geltenden Regeln zementiert. Darum geht es:

Für eine ganze Reihe von unliebsamen Überraschungen, die im Laufe eines Jahres auf Sie zukommen können, gewährt der Fiskus steuerliche Unterstützung. Lesen Sie hier, worauf es dabei ankommt.

Das sind außergewöhnliche Belastungen

Wenn Sie größere und wichtige Ausgaben haben, um Ihre Existenz zu sichern, sieht der Gesetzgeber diese als außergewöhnliche Belastungen an. Wenn diese Ausgaben eine bestimmte Grenze überschreiten, die von Ihrem individuellen Einkommen abhängig ist – die sogenannte zumutbare Belastung –, können Sie diese steuerlich geltend machen und dadurch Ihre Einkommensteuer senken:

Was alles eine außergewöhnliche Belastung sein kann, zeigt die folgende beispielhafte Liste:

  • Adoptionskosten oder die künstliche Befruchtung sind steuerlich absetzbar
  • Ebenso können Arzneimittel steuerlich absetzbar sein
  • Darüber hinaus sind Kontaktlinsen und die Brille steuerlich absetzbar
  • Auch hohe Zahnarztkosten zum Beispiel für Zahnersatz sind steuerlich absetzbar
  • Kosten für Hausrat und Kleidung nach einem Brand, Hochwasser oder anderen Naturkatastrophen (wenn nicht von der Versicherung ersetzt) gelten auch als außergewöhnliche Belastung
  • Abfindung an den Vormieter bei krankheitsbedingtem Wohnungswechsel sind steuerlich absetzbar
  • Zudem können Hörgeräte steuerlich absetzbar sein

Neues Urteil: Grenzen der Steuerersparnis durch zumutbare Belastungen bleiben

Steuerlich wirksam sind nur die Kosten, die den Ihnen zumutbaren Anteil übersteigen. Wie hoch der ist, hängt von Ihrem Einkommen und Ihrem Familienstand ab. Mit der Tabelle unten können Sie Ihren Anteil berechnen. Ob diese zumutbare Eigenbelastung überhaupt verfassungsgemäß ist oder ob sie in Zukunft wegfallen wird, darüber musste kürzlich der Bundesfinanzhof entscheiden (Az. VI R 32/13 und VI R 33/13).

So hoch ist Ihr persönlicher Eigenanteil bei außergewöhnlichen Belastungen

Jahreseinkommen bis 15.340 € bis 51.130 € über 51.130 €
Ledige 5 % 6 % 7 %
Verheiratete 4 % 5% 6 %
mit 1–2 Kindern 2 % 3 % 4 %
mit mehr Kindern 1 % 1 % 2 %

Beispiel: Sie sind verheiratet, haben ein Kind und ein Jahreseinkommen von 49.000 €, dann liegt Ihre zumutbare Eigenbelastung bei 1.470 € (3 % von 49.000 €).

 

 

 

 

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