10 Irrtümer beim Erben und Vererben

10 Irrtümer beim Erben und Vererben

Sich mit dem eigenen Tod zu beschäftigen ist kein angenehmes, aber ein wichtiges Thema. Um nach einem Todesfall Streit unter den Erben zu vermeiden, gilt es beim Erben und Vererben einiges zu beachten. Die 1822direkt erklärt 10 Irrtümer zum Erbrecht.

Irrtum 1: Das Testament muss auf offiziellem Papier geschrieben sein

Grundsätzlich ist ein Testament sogar dann wirksam, wenn es auf einen Bierdeckel geschrieben wurde – ein besonderes Papier ist nicht notwendig. Bestimme formelle Grundregeln müssen jedoch eingehalten werden: Das Testament muss mit Vor- und Nachnamen unterschrieben sein sowie Datum und den Ort der Niederschrift enthalten.

Irrtum 2: Das Testament kann auch mit dem PC geschrieben werden

Auch wenn Sie Ihr Testament natürlich so gut lesbar wie möglich verfassen möchten – um das Erben und Vererben gültig zu machen, muss es komplett handschriftlich verfasst sein. Es genügt nicht, den Text mit dem Computer zu verfassen und die originale Unterschrift darunter zu setzen. Lediglich das notarielle Testament muss nicht per Hand geschrieben sein.

Irrtum 3: Es muss mit „Testament“ betitelt sein

Ein Testament muss nicht die Überschrift „Testament“ oder „Mein letzter Wille“ tragen, um gültig zu sein. Um das Erben und Vererben jedoch zu vereinfachen, sollte aus dem Schriftstück natürlich hervorgehen, dass es sich um das Testament handelt.

Irrtum 4: Ohne Testament kann niemand erben

Ist kein Testament vorhanden, greift beim Erben und Vererben die Erbfolge. Die Erben werden dabei in die folgenden Ordnungen eingeteilt:

  • 1. Ordnung: Abkömmlinge des Verstorbenen (Kinder, Enkel, Urenkel)
  • 2. Ordnung: Eltern des Erblassers und deren Kinder und Kindeskinder
  • 3. Ordnung: Großeltern sowie deren Kinder und Kindeskinder

Irrtum 5: Mein Erbe geht an meinen Ehepartner

Hinterbliebene Ehepartner und eingetragene Lebenspartner nehmen einen Sonderstatus ein – je nach Güterstand erben sie unterschiedlich viel.

Ehe als Zugewinngemeinschaft:

  • Wenn die Ehe als Zugewinngemeinschaft gelebt wurde, erbt der Ehepartner die Hälfte des Vermögens
  • Der Ehepartner erhält die Gegenstände aus dem gemeinsamen Haushalt, z. B. die Einrichtung oder das Auto
  • Sind nur Erben der 2. Ordnung vorhanden, erbt der Ehepartner drei Viertel des Vermögens

Ehe ohne Zugewinnausgleich:

  • Sind Erben 1. Ordnung vorhanden, erhält der Ehepartner ein Viertel
  • Die Hälfte des Erbes erhält der Ehepartner, wenn nur Erben 2. Ordnung existieren
  • Leben nur Erben 3. Ordnung, erhält der Ehepartner die Hälfte – der Teil erhöht sich, wenn nur noch ein Großelternteil lebt

Irrtum 6: Ein Erbvertrag ist das gleiche wie ein Testament

Im Unterschied zum Testament ist der Erbvertrag ein Vertrag zwischen mindestens zwei Personen, die nicht miteinander verwandt sein müssen. Der Erblasser bindet sich gegenüber seinem Vertragspartner – der Vertrag kann nur mit der Zustimmung aller aufgehoben oder geändert werden.

Irrtum 7: Schenkungen vor dem Tod werden nicht berücksichtigt

Das gilt nur, wenn die Schenkung länger als zehn Jahre zurückliegt. Ist die Schenkung innerhalb der letzten zehn Jahre getätigt worden, muss sie beim Erben und Vererben in die Berechnung des Pflichtteils einbezogen werden. Dies passiert anteilig – je länger die Schenkung zurückliegt, desto mehr nimmt der Anteil ab.

Irrtum 8: Enterbt bedeutet, man geht leer aus

Ehegatten, Kinder und Enkel sowie Eltern haben einen gesetzlichen Anspruch auf einen Pflichtteil des Erbes. Ihr Vater kann Sie z. B. zwar als Haupterbe enterben, der Pflichtteil steht Ihnen jedoch zu. Dieser beträgt in der Regel die Hälfte des gesetzlichen Erbteils.

Irrtum 9: Einzelne Gegenstände können vererbt werden

Erben und Vererben funktioniert nur im Ganzen, nicht aber in kleinen Teilen – vererbt wird immer nur der ganze Nachlass. Wer einer bestimmten Person etwas Bestimmtes hinterlassen möchte, muss dies durch ein Vermächtnis ausdrücken. Der Anspruch auf das Vermächtnis muss dann gegenüber der Erben geltend gemacht werden.

Irrtum 10: Die Kinder müssen die Beerdigung bezahlen

Nicht die Kinder, sondern die Erben müssen die Kosten einer standesgemäßen Beerdigung übernehmen. Diese beinhaltet unter anderem die Todesanzeige, den Sarg, die Trauerfeier sowie den Grabstein und die erste Grabgestaltung.

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